(Disclaimer: Die nachfolgende Szene und alle darin agierenden
Charaktere sind frei erfundene, personifizierte, überzeichnete
Verallgemeinerungen. Verklagt mich doch.)
Nach monatelangem Heranpirschen, geduldigem Ausharren in Chatrooms
und dem Anhören tränenreicher Beichten im Freundeskreis bin ich dem
Nest einer fast ausgestorbenen Spezies auf die Schliche gekommen: den
netten Kerlen.
Nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker treffen sie sich
regelmäßig in einer Versammlung von Leidensgenossen, wo sie
gegenseitig Schicksalsschläge beklagen und Strategien ausarbeiten,
um in der von Oberflächlichkeit dominierten herzlosen Welt nicht
unterzugehen.
Der Leiter der Sitzung? Therapierunde?, ein untersetzter Mann mit
Brille und schütteren Haaren, empfängt mich herzlich. Sein
Händedruck ist weich und sanft, so als fürchtete er, das filigrane
Gebilde meiner Hand zu beschädigen.
Umso energischer ist sein
Monolog: "Schön, dass Sie heute hier sind! Ich finde es eine
tolle Sache, dass sich eine Frau bereit erklärt, mal die Perspektive
jener Männer in den Fokus zu rücken, die immer auf der Strecke
bleiben, nur weil sie keine sexistischen Alphamännchen sein können
oder wollen."
"Ähm, danke. Ich gebe mir Mühe."
"Nein, wirklich, Chapeau! Normalerweise sind Frauen ja
voreingenommen und scheren alle Männer über einen Kamm wegen ein
paar Arschlöchern, die ihnen das Herz gebrochen haben. Dabei lassen
sie all die anständigen Kerle außer Acht, die in der Friendzone
versauern! Somit wird Ihre Reportage einen wichtigen Beitrag zur
Aufklärung leisten!"
"Das war der Plan, ja. Ich setze mich dann mal da hinten
hin..."
"Kommen Sie, ich hol Ihnen einen bequemeren Stuhl! Und kann
ich Ihnen einen Kaffee und einen Donut bringen?"
"Nein, danke, machen Sie sich keine Umstände wegen mir."
"Ach, Unsinn! Sie sind es nur nicht gewohnt, wie eine Dame
behandelt zu werden. Die Donuts sind ausgezeichnet!"
"Daran liegt's nicht, ich will aber wirklich keinen Donut."
"Bestimmt achten Sie nur auf Ihre Figur, wie die
oberflächliche Gesellschaft es Ihnen diktiert. Aber bei uns müssen
Sie das nicht! Wir akzeptieren Frauen in jeder Form!"
"Das mag sein, aber ich leide unter Glutenunverträglichkeit."
"Warum haben Sie das nicht im Vorfeld gesagt? Ich hätte für
Sie glutenfreies Gebäck bestellt."
Schließlich schicke ich mich an, mit meinem Notizblock in einer
Ecke des Raumes Platz zu nehmen. Ebenso wie mein Donut-Verzicht
erweist sich diese Aktion als indiskutabel: Als Ehrengast soll ich
mich mit in die Runde setzen und zur Diskussion beitragen, falls die
gebeutelten Romantiker Fragen an die Botschafterin aus dem
feindlichen Lager haben.
Nachdem ein Nachzügler eingetrudelt ist (sein Tempo wird wohl
durch seine füllige Statur gebremst), beginnt die Sitzung.
"Gentlemen, neben unserer Besucherin aus der Presse dürfen
wir heute ein neues Mitglied in unserer Runde begrüßen. Erzähl
doch bitte etwas zu deiner Person."
Der korpulente Neuzugang räuspert sich. "Also, ich heiße
Marvin und meine Frau hat mich verlassen."
Ein mitfühlendes "Oooh" geht durch die Runde."
"Warum hat deine Frau dich verlassen, Marvin?"
"Vor zwei Wochen ist sie mit so einem überzüchteten
Fitnessviech durchgebrannt. Hat nur eine Notiz hinterlassen, dass sie
sich mit mir nicht mehr als Frau fühlt. Nur weil ich nicht so ein
körperfixierter Bock bin, der nur ans Pumpen und F*** denkt!"
Nochmal betroffenes Raunen, ehe der Leiter beschwichtigt: "Es
liegt nicht an dir, sie hat nur deine Qualitäten als Mensch nicht zu
schätzen gewusst, weil sie, wie viele Frauen, von dem Aussehen von
Arschlöchern verblendet ist. Sie wird schon sehen, was sie davon
hat."
"Ja! Ich verstehe auch nicht, was er an so einer Schabracke
wie ihr findet. Ihr kann man doch nicht mal auf den Arsch hauen, ohne
dass der eine halbe Stunde nachwabbelt!"
"Der Kerl verlässt sie doch eh bald für eine jüngere,
Hübschere", murmelt ein Leidensgenosse.
"Ja, Karma is a bitch! Und ich dachte noch, sie hätte
wenigstens einen lieben Charakter, wenn schon das Aussehen zum Kotzen
war ..."
"Und Jürgen, wie geht es bei dir mit deiner besten Freundin
voran?"
Auf diese Frage hin meldet sich ein schlaksiger junger Mann, eine
Verkörperung des Nerd-Archetyps, zu Wort. Sein grimmiges Gesicht
glänzt fettig im trüben Licht der Lampe. "Naja, ihr Macker hat
vor zwei Wochen mit ihr Schluss gemacht."
"Na, das ist doch eine Chance für dich."
"Eben, dachte ich zuerst auch, aber Frauen sind ja so dumm!
Ich habe ihr sogar Andeutungen gemacht, dass es da einen netten Kerl
gibt, der sie auf Händen tragen würde, aber sie rafft es nicht!"
"Wie hat sie denn reagiert?"
"Ach, sie heult bloß rum, dass sie ihn ja noch so liebt und
dass sie keinen anderen haben will. Ich meine, es ist schon zwei
Wochen her! Sie sollte doch langsam hinwegkommen und sich nach dem
Richtigen umschauen!"
"Frau Reporterin, was meinen Sie denn dazu?"
"Naja", sage ich zögernd, "du musst vielleicht
bedenken, manche Menschen brauchen länger, um eine Trennung zu
verarbeiten."
"So ein Schwachsinn! Als damals die Susi aus dem Chat mit mir
Schluss gemacht hat, habe ich ihr nicht hinterher getrauert, die war
eh eine dumme Kuh, die keine Ahnung vom Zocken hatte. Da hab ich
gleich die Melanie angeschrieben ..."
"Ja, aber deine beste Freundin muss ja nicht genauso denken
wie du. Vielleicht braucht sie im Moment ja erstmal deinen Beistand
als Kumpel."
Das hätte ich nicht sagen sollen.
"Immer die Friendzone!", wettert Jürgen. "Ich
würde alles für sie tun, aber was bringt es mir? Sie läuft ja
immer irgendwelchen Typen hinterher, die keine Ahnung haben, wie man
eine Frau behandelt. Und mir sagt sie immer, ich sei nicht ihr Typ
..."
"Dann vergiss sie!", mischt sich ein netter Kerl ein,
der mit verschränkten Armen neben mir sitzt. "Genieß dein
Single-Leben, dann kann dich wenigstens kein Weib ausnehmen, so wie
mich."
"Erzähl doch der Dame von der Presse, was du erlebst hast."
Der Betroffene lehnt sich eindringlich zu mir vor. "Naja,
manchmal glaube ich, die Weiber stehen wirklich nur auf Kerle, die
sie wie Dreck behandeln. Und die Kerle, die nett zu ihnen sind,
lassen sie irgendwann fallen und krallen sich so ein Arschloch."
"Wie meinst du das?"
"Naja, meine Ex zum Beispiel. Ich habe alles für sie
gemacht, alles für sie gezahlt, was sie wollte. Sie brauchte mich
nicht einmal darum bitten, ich habe ihr alles geholt. Und was macht
sie? Lässt mich sitzen, weil sie meint, sie kommt mit meinem
Charakter nicht klar! Als ob Taten nicht lauter sprechen als Worte!"
"Aber irgendeinen Grund musste es ja geben", werfe ich
kleinlaut ein.
"Ach, sie hat irgendwas geblubbert von wegen, sie erträgt
meine Stimmungsschwankungen nicht. Nur weil ich ein paar mal
ausgetickt bin, weil ich es nicht mehr aushalten konnte!"
"Konntest du denn nicht mit ihr über deine Probleme reden?"
"Keine Ahnung, ich war ja zu sehr damit beschäftigt, ihr
zuzuhören, wenn sie Probleme hat!"
"Aber sollte es kein Austausch unter Partnern sein ...?"
"Ich wäre doch ein Waschlappen, wenn ich ständig so
rumheulen würde wie sie. Und überhaupt, warum kann sie mir nicht
einfach verzeihen? Ich habe mich jedes Mal entschuldigt, hab ihr
ständig Geschenke gemacht."
Langsam verliere ich die Geduld und wende mich an den
Diskussionsleiter.
"Hören Sie, ich habe schon viele wertvolle Einblicke
gesammelt, aber jetzt muss ich langsam gehen."
"Bleiben Sie doch noch bis zum Ende der Sitzung, Sie haben
doch noch gar nicht alle Schicksale gehört!"
Der schenkungsfreudige Choleriker grätscht dazwischen: "Da
sieht man es wieder, keine Frau hat Zeit, keine Frau interessiert
sich für unsere Probleme, aber wir müssen immer springen!"
"Am Ende kommen wir in dem Artikel noch total klischeehaft
weg", setzt der verhinderte Adonis hinzu, "wie ein Haufen
Verlierer, die einfach keine Ahnung haben von Frauen."
"Bestimmt nicht", versichere ich, "ich habe mir ein
objektive Bild gemacht, es ist nur, ich muss wirklich los."
"Bestimmt zu einem Date!", verdreht der Nerd die Augen.
"Nein, aber heute ist noch ein Raid geplant", erwidere
ich. Beim Verlassen des Raums bin ich um eine Handynummer reicher.
Herzlichen Dank für die Inspriation an den erzählmirnix Blog, dessen Autorin die Nette-Kerl-Problematik in einem Comic wesentlich knapper zusammengefasst hat als ich Plappertasche es jemals könnte.
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Sonntag, 11. Mai 2014
Montag, 20. Januar 2014
The worst of the worst
Meine Hoffnung, online die große Liebe zu finden, hatte ich
bereits in dem Moment aufgegeben, als ich anno dazumal ein Profil auf
Black-Flirt erstellte. Meine Intention, diese Website für mehr oder
weniger stilvolle Unterhaltungen und das Finden von Gleichgesinnten
zu nutzen, wurde leider oft missverstanden – dafür bekam ich
mannigfaltiges Studienmaterial an die Hand, wie Online-Singles
ticken. Vor allem solche, die sich in der mir nicht ganz fremden
schwarzen Szene bewegen.
Zum Glück beginnt und endet meine Online-Dating-Karriere mit Black-Flirt. Dennoch wage ich die Vermutung, dass sich ähnliche Stereotypen, wie unten beschrieben, genauso häufig auf "Normalo"-Plattformen tummeln. Bühne frei für die Binärromeos dieser Welt!
Der Copy-Paste-Charmeur
Um bei diesem Kontaktjongleur noch dem Irrglauben anheim zu fallen, man hätte als Einzige durch herausragende Qualitäten seine Aufmerksamkeit geweckt, müsste man schon eine jungfräuliche Einsiedlerin sein, die zum ersten Mal die Genüsse des Online-Datings für sich entdeckt.
Zeit ist Geld, und wenn man noch so viele hübsche Damen mit Nachrichten zu beglücken hat, bleibt eben keine Zeit, Romane zu schreiben. Deswegen beschränkt sich unser effiziente Herzensbrecher auf Schlüsselsätze wie "Hi, wie geht's dir?", "Ich bin über dein Profil gestolpert" (na hoffentlich ohne bleibende Verletzungen!), "Du bist sehr hübsch" und ähnliche Perlen der Konversation.
Wenn er in die Korrespondenz oberflächliche Bezüge zum Profil der Angebeteten einfließen lässt, die über die Bewunderung ihrer Oberweite hinausgehen, kann man getrost die Hochzeitsglocken läuten.
Diesen Hansdampf in allen Gassen auf mangelnde Kreativität hinzuweisen, bringt nichts. Während man eine empörte Nachricht zu Ende getippt hat, hat er bereits ein weiteres Bundesland mit Fließband-Plattitüden erobert. Keine Angst, eine ausbleibende Antwort bricht ihm nicht das Herz. Es gibt genug Verzweifelte, die sich auch über ein "Was machst du gerade" freuen.
Der Jackpot
Kaum hat man sich von der Verzückung beim Studieren seines Profils erholt und den Sabber von der Tastatur gewischt, stellt sich die Frage: Wie kann so jemand noch Single sein? Gutaussehend, eloquent, wohlhabend, erfolgreich ... Nichts wie her damit, so einen Traumprinzen findet man nur einmal im Leben!
Zumal dieses Ideal von Mann auch beim Gegenüber nicht mit Superlativen geizt. Hat man sich entgegen aller Minderwertigskeitskomplexe an ihn herangewagt, findet man nach raschem Nachrichtenwechsel heraus, genau die Frau zu sein, auf die er sein (alterstechnisch meist fortgeschrittenes) Leben gewartet hat. Das würde sich erst recht bestätigen, wenn die Holde ihm in regelmäßigen Abständen freizügige Bilder zukommen ließe ... aber was tut man nicht alles für die große Liebe.
Als in der Schule romantische Gedichte durchgenommen wurden, hat dieser Marty Stu* als Einziger aufgepasst und weiß daher seiner Angebeteten in gewählter Sprache zu vermitteln, dass sie die Schönste, Anziehendste und Liebenswerteste ist. Damit es nicht zu kitschig wird, fragt der Mann von Welt seine Herzensdame gerne beiläufig um Rat, ob er sich nun einen neuen Mercedes oder einen BMW anschaffen soll. Natürlich erst, nachdem er von seiner Weltreise zurückgekehrt ist. Hach ...
_____________________
* Marty Stu = männliche Version der Mary Sue (Prototyp einer ebenso perfekten wie sterbenslangweiligen Romanfigur)
Der Waldschrat
Was dieser Eigenbrötler auf einer Plattform verloren hat, die dem lockeren Kontakteknüpfen dient, bleibt ein Mysterium. Genau wie seine von undankbaren, beschränkten Zeitgenossen verkannte Persönlichkeit. Nur eine Konstante ist klar erkennbar: Er hasst alles und jeden, hat in seinem Leben nichts als Enttäuschungen erlebt und weiß ganz genau, was er NICHT will. Nämlich dich. Genau dich. Jedem trven Black-Metal-Puristen würde das Corpsepaint verlaufen vor Freudentränen angesichts dieses personfiizerten Ideals.
Hat man sich in einem suizidalen Moment durchgerungen, diesen Misanthropen zu kontaktieren, versteht man nach wenigen Zeilen, woher die scheinbar selbst gewählte Einsamkeit rührt. Selbst auf Gleichgesinnte, die seinen Ansprüchen gerecht werden, reagiert er im schlimmsten Fall mit bitterer Skepsis, im besten Fall (* schluck *) mit Lamentationen über sein unerfreuliches Dasein. Am liebsten würde man einen Jahresvorrat Tavor digitalisieren und ihm zukommen lassen, aber das lässt nicht einmal ein Premium-Account zu.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich irgendwann eine geduldige Seele findet, den Panzer aus Weltschmerz zu knacken. Bis dahin bleibt dem erwachsenen Emo seine linke Hand treu. Die findet er auch ohne Kontakt-Annonce.
Der Super-Duper-Dom
Diesen Menschenschlag gibt es in unterschiedlichen Geschmack(losigkeit)srichtungen – entfernt mit dem Jackpot-Typen verwandt, aber nicht halb so unterhaltsam.
Hat sich dieser Egomane, wie der Titel besagt, dem BDSM verschrieben, so ist die Schlagrichtung seiner Kontaktaufnahme folgende: Er hat die potentielle Unterwürfige anhand ihres Profils auf Herz und Nieren geprüft und sie für würdig befunden, ihm zu dienen und ihm die Füße zu küssen. Sofort, jetzt und in alle Ewigkeit. Reklamationen gibt's nicht, und welche unbedarfte Frau würde eine solche Ehre auch zurückweisen wollen?
Seine softere Ausführung begnügt sich mit einer großspurigen Nachricht zwischen Tür und Angel, dass er die Auserwählte für eines Treffens würdig hält und sie ihn gerne kontaktieren darf – meistens mit gleich beigefügter Handynummer. Natürlich darf nicht der Disclaimer fehlen, dass er längst nicht jede anschreibt und dass dieses Kontaktangebot bereits eine Auszeichnung ist, die auszuschlagen einfach nur dämlich wäre.
Die Profilbilder und weiterführenden Angaben solcher wandelnden Superlative glänzen meist durch ... Abwesenheit. Ihre Großartigkeit müssen sie schließlich nicht unter Beweis stellen, und wenn die Angebetete das ihr zuteil gewordene Glück hinterfragt, dann liegt hier wohl ein Irrtum vor. Wobei, solche Prachtexemplare irren sich bekanntlich ja nie.
Die Einbahnstraße
"Offen und ehrlich", "unkompliziert", "weiß was er will" – gegen solche Prämissen ist erst einmal nichts einzuwenden. Bestimmt auch nicht dagegen, dass der Mann, der sich dahinter verbirgt, mit seiner Auserwählten offen und ehrlich Schweinkram austauschen will, nach unkomplizierten Sexkontakten sucht und genau weiß, welche Bedürfnisse er befriedigt haben will. Beim Verfolgen seiner Ziele nimmt er kein Blatt vor den Mund und ist auch nicht zimperlich, Vorbehalte aus dem Weg zu räumen. Einige Nachrichten mit belanglosem Small-Talk, die bereits mit eindeutigen Andeutungen versetzt sind, decken bei diesem Potenzwunder sowohl Werbephase als auch Vorspiel ab. Wenn nach dieser Ouvertüre noch keine hüllenlosen Offenbarungen seinen Bildschirm zieren, wird er unruhig bis aggressiv.
Ebenso wie beim Copy-Paste-Charmeur ist Widerstand zwecklos. Auch mehr oder weniger bissiger Humor rettet einen nicht vor der Keule, man sei prüde, nicht aufgeschlossen genug oder schlichtweg langweilig, wenn man Mr. Direkt nicht sofort das gibt, was er will. Bevor er die virtuelle Tür zuknallt, lässt er gerne zum Abschied den Vorwurf da, man hätte mit ihm gespielt und unnötige Erwartungen geweckt. Wie denn? Durch das Lesen der Nachricht?
Und weil es so schön ist, und die Welt nicht schwarz weiß, sondern grau skaliert ist, gibt es von diesen Grundtypen (und denen, mit denen ich nicht das Vergnügen hatte oder die ich vergessen habe) diverse Mischformen.
Da ich beileibe keine verbitterte Feministin bin und außerdem eine Schwäche für Symmterie habe, rufe ich nun meine männliche Leserschaft (welche Leserschaft, höhö) auf: Habt ihr ähnliche Stereotypen bei Damen im Online-Dating ausmachen können? Wenn ja, freue ich mich über eure Erfahrungen und weiteres Material.
Zum Glück beginnt und endet meine Online-Dating-Karriere mit Black-Flirt. Dennoch wage ich die Vermutung, dass sich ähnliche Stereotypen, wie unten beschrieben, genauso häufig auf "Normalo"-Plattformen tummeln. Bühne frei für die Binärromeos dieser Welt!
Der Copy-Paste-Charmeur
Um bei diesem Kontaktjongleur noch dem Irrglauben anheim zu fallen, man hätte als Einzige durch herausragende Qualitäten seine Aufmerksamkeit geweckt, müsste man schon eine jungfräuliche Einsiedlerin sein, die zum ersten Mal die Genüsse des Online-Datings für sich entdeckt.
Zeit ist Geld, und wenn man noch so viele hübsche Damen mit Nachrichten zu beglücken hat, bleibt eben keine Zeit, Romane zu schreiben. Deswegen beschränkt sich unser effiziente Herzensbrecher auf Schlüsselsätze wie "Hi, wie geht's dir?", "Ich bin über dein Profil gestolpert" (na hoffentlich ohne bleibende Verletzungen!), "Du bist sehr hübsch" und ähnliche Perlen der Konversation.
Wenn er in die Korrespondenz oberflächliche Bezüge zum Profil der Angebeteten einfließen lässt, die über die Bewunderung ihrer Oberweite hinausgehen, kann man getrost die Hochzeitsglocken läuten.
Diesen Hansdampf in allen Gassen auf mangelnde Kreativität hinzuweisen, bringt nichts. Während man eine empörte Nachricht zu Ende getippt hat, hat er bereits ein weiteres Bundesland mit Fließband-Plattitüden erobert. Keine Angst, eine ausbleibende Antwort bricht ihm nicht das Herz. Es gibt genug Verzweifelte, die sich auch über ein "Was machst du gerade" freuen.
Der Jackpot
Kaum hat man sich von der Verzückung beim Studieren seines Profils erholt und den Sabber von der Tastatur gewischt, stellt sich die Frage: Wie kann so jemand noch Single sein? Gutaussehend, eloquent, wohlhabend, erfolgreich ... Nichts wie her damit, so einen Traumprinzen findet man nur einmal im Leben!
Zumal dieses Ideal von Mann auch beim Gegenüber nicht mit Superlativen geizt. Hat man sich entgegen aller Minderwertigskeitskomplexe an ihn herangewagt, findet man nach raschem Nachrichtenwechsel heraus, genau die Frau zu sein, auf die er sein (alterstechnisch meist fortgeschrittenes) Leben gewartet hat. Das würde sich erst recht bestätigen, wenn die Holde ihm in regelmäßigen Abständen freizügige Bilder zukommen ließe ... aber was tut man nicht alles für die große Liebe.
Als in der Schule romantische Gedichte durchgenommen wurden, hat dieser Marty Stu* als Einziger aufgepasst und weiß daher seiner Angebeteten in gewählter Sprache zu vermitteln, dass sie die Schönste, Anziehendste und Liebenswerteste ist. Damit es nicht zu kitschig wird, fragt der Mann von Welt seine Herzensdame gerne beiläufig um Rat, ob er sich nun einen neuen Mercedes oder einen BMW anschaffen soll. Natürlich erst, nachdem er von seiner Weltreise zurückgekehrt ist. Hach ...
_____________________
* Marty Stu = männliche Version der Mary Sue (Prototyp einer ebenso perfekten wie sterbenslangweiligen Romanfigur)
Der Waldschrat
Was dieser Eigenbrötler auf einer Plattform verloren hat, die dem lockeren Kontakteknüpfen dient, bleibt ein Mysterium. Genau wie seine von undankbaren, beschränkten Zeitgenossen verkannte Persönlichkeit. Nur eine Konstante ist klar erkennbar: Er hasst alles und jeden, hat in seinem Leben nichts als Enttäuschungen erlebt und weiß ganz genau, was er NICHT will. Nämlich dich. Genau dich. Jedem trven Black-Metal-Puristen würde das Corpsepaint verlaufen vor Freudentränen angesichts dieses personfiizerten Ideals.
Hat man sich in einem suizidalen Moment durchgerungen, diesen Misanthropen zu kontaktieren, versteht man nach wenigen Zeilen, woher die scheinbar selbst gewählte Einsamkeit rührt. Selbst auf Gleichgesinnte, die seinen Ansprüchen gerecht werden, reagiert er im schlimmsten Fall mit bitterer Skepsis, im besten Fall (* schluck *) mit Lamentationen über sein unerfreuliches Dasein. Am liebsten würde man einen Jahresvorrat Tavor digitalisieren und ihm zukommen lassen, aber das lässt nicht einmal ein Premium-Account zu.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich irgendwann eine geduldige Seele findet, den Panzer aus Weltschmerz zu knacken. Bis dahin bleibt dem erwachsenen Emo seine linke Hand treu. Die findet er auch ohne Kontakt-Annonce.
Der Super-Duper-Dom
Diesen Menschenschlag gibt es in unterschiedlichen Geschmack(losigkeit)srichtungen – entfernt mit dem Jackpot-Typen verwandt, aber nicht halb so unterhaltsam.
Hat sich dieser Egomane, wie der Titel besagt, dem BDSM verschrieben, so ist die Schlagrichtung seiner Kontaktaufnahme folgende: Er hat die potentielle Unterwürfige anhand ihres Profils auf Herz und Nieren geprüft und sie für würdig befunden, ihm zu dienen und ihm die Füße zu küssen. Sofort, jetzt und in alle Ewigkeit. Reklamationen gibt's nicht, und welche unbedarfte Frau würde eine solche Ehre auch zurückweisen wollen?
Seine softere Ausführung begnügt sich mit einer großspurigen Nachricht zwischen Tür und Angel, dass er die Auserwählte für eines Treffens würdig hält und sie ihn gerne kontaktieren darf – meistens mit gleich beigefügter Handynummer. Natürlich darf nicht der Disclaimer fehlen, dass er längst nicht jede anschreibt und dass dieses Kontaktangebot bereits eine Auszeichnung ist, die auszuschlagen einfach nur dämlich wäre.
Die Profilbilder und weiterführenden Angaben solcher wandelnden Superlative glänzen meist durch ... Abwesenheit. Ihre Großartigkeit müssen sie schließlich nicht unter Beweis stellen, und wenn die Angebetete das ihr zuteil gewordene Glück hinterfragt, dann liegt hier wohl ein Irrtum vor. Wobei, solche Prachtexemplare irren sich bekanntlich ja nie.
Die Einbahnstraße
"Offen und ehrlich", "unkompliziert", "weiß was er will" – gegen solche Prämissen ist erst einmal nichts einzuwenden. Bestimmt auch nicht dagegen, dass der Mann, der sich dahinter verbirgt, mit seiner Auserwählten offen und ehrlich Schweinkram austauschen will, nach unkomplizierten Sexkontakten sucht und genau weiß, welche Bedürfnisse er befriedigt haben will. Beim Verfolgen seiner Ziele nimmt er kein Blatt vor den Mund und ist auch nicht zimperlich, Vorbehalte aus dem Weg zu räumen. Einige Nachrichten mit belanglosem Small-Talk, die bereits mit eindeutigen Andeutungen versetzt sind, decken bei diesem Potenzwunder sowohl Werbephase als auch Vorspiel ab. Wenn nach dieser Ouvertüre noch keine hüllenlosen Offenbarungen seinen Bildschirm zieren, wird er unruhig bis aggressiv.
Ebenso wie beim Copy-Paste-Charmeur ist Widerstand zwecklos. Auch mehr oder weniger bissiger Humor rettet einen nicht vor der Keule, man sei prüde, nicht aufgeschlossen genug oder schlichtweg langweilig, wenn man Mr. Direkt nicht sofort das gibt, was er will. Bevor er die virtuelle Tür zuknallt, lässt er gerne zum Abschied den Vorwurf da, man hätte mit ihm gespielt und unnötige Erwartungen geweckt. Wie denn? Durch das Lesen der Nachricht?
Und weil es so schön ist, und die Welt nicht schwarz weiß, sondern grau skaliert ist, gibt es von diesen Grundtypen (und denen, mit denen ich nicht das Vergnügen hatte oder die ich vergessen habe) diverse Mischformen.
Da ich beileibe keine verbitterte Feministin bin und außerdem eine Schwäche für Symmterie habe, rufe ich nun meine männliche Leserschaft (welche Leserschaft, höhö) auf: Habt ihr ähnliche Stereotypen bei Damen im Online-Dating ausmachen können? Wenn ja, freue ich mich über eure Erfahrungen und weiteres Material.
Freitag, 4. Oktober 2013
Akte Arschloch
"Männer und Fraun sind das nackte Graun,
wenn sie sich stundenlang tief in die Augen schaun,
und die Frauen andren Fraun ihre Männer klaun,
und die Männer sowieso nur Scheiße baun."
Ein Körnchen Wahrheit muss in diesem Ärzte-Lied stecken – warum sonst singen wir immer wieder mit, obwohl es schon mindestens ein halbes Jahr regelmäßig aus dem Autoradio dudelt?
Um der Emanzen-Keule auszuweichen: Nicht alle Männer bauen Scheiße, wohlgemerkt. Nur die spezielle Unterart "Arschloch", deren Population sich dank der evolutionären Vorteile jedoch von Jahr zu Jahr (oder in der subjektiven Sichtweise "lebenserfahrener" Frauen: von Beziehung zu Beziehung) exponentiell steigert.
Aber woraus bestehen diese evolutionären Vorteile, die dazu führen, dass sich die Arschlöcher stets aus Jagdgründen voller williger Frauen bedienen, während ihre weniger anpassungsfähigen Zeitgenossen (auch "nette Kerle" genannt) sich seit Jahren mit einem halbherzigen "Hallo, wie geht's" der heimlich Angebeteten sowie beinahe ebenso unnerreichbaren Pixel-Busenwundern über Wasser halten?
Meine Feldstudien haben einige Lösungsansätze ans Tageslicht gebracht, die so bahnbrechend sind, dass sie bereits von sämtlichen Frauenzeitschriften (dazu zähle ich auch "Men's Health") durchgekaut wurden.
Und dennoch lernen wir nichts dazu – so leicht lassen sich die perfiden Mechanismen der weiblichen Psyche nicht umprogrammieren. Die da wären:
Eine solche Liebe ist prädestiniert dafür, ewig zu halten. Umso härter fällt die edle Retterin aus allen Wolken, wenn der vermeintlich unbewaffnete Schützling aus den Untiefen des Rosenrkriegs-Arsenals den Hammer hervorholt: "Wir haben uns auseinandergelebt."
Wobei, auch hier beweist der Liebste nichts als grenzenlose Feinfühligkeit. Die Dame, deren Rettungsversuche für sein Nervenkostüm nicht mehr tragbar waren, verschont er mit den wahren Gründen der Trennung. Diese spart er sich für Freunde (ja, genau die, die ihn immer hängen lassen), vielversprechende weibliche Bekanntschaften und Mutti auf. Ihnen offenbart er kummervoll die harte Realität: Unter der schilldernden Paladinsrüstung seiner Liebsten hat sich mit der Zeit ein eifersüchtiges, klammerndes, unreifes Herz offenbart – genauso schwarz und verdorben wie die Pumporgane ihrer Vorgängerinnen. Sie war doch nicht die Eine. Aber wer so oft verletzt wurde, verträgt gerade noch so auch diese Enttäuschung. Klappe, die nächste!
wenn sie sich stundenlang tief in die Augen schaun,
und die Frauen andren Fraun ihre Männer klaun,
und die Männer sowieso nur Scheiße baun."
Ein Körnchen Wahrheit muss in diesem Ärzte-Lied stecken – warum sonst singen wir immer wieder mit, obwohl es schon mindestens ein halbes Jahr regelmäßig aus dem Autoradio dudelt?
Um der Emanzen-Keule auszuweichen: Nicht alle Männer bauen Scheiße, wohlgemerkt. Nur die spezielle Unterart "Arschloch", deren Population sich dank der evolutionären Vorteile jedoch von Jahr zu Jahr (oder in der subjektiven Sichtweise "lebenserfahrener" Frauen: von Beziehung zu Beziehung) exponentiell steigert.
Aber woraus bestehen diese evolutionären Vorteile, die dazu führen, dass sich die Arschlöcher stets aus Jagdgründen voller williger Frauen bedienen, während ihre weniger anpassungsfähigen Zeitgenossen (auch "nette Kerle" genannt) sich seit Jahren mit einem halbherzigen "Hallo, wie geht's" der heimlich Angebeteten sowie beinahe ebenso unnerreichbaren Pixel-Busenwundern über Wasser halten?
Meine Feldstudien haben einige Lösungsansätze ans Tageslicht gebracht, die so bahnbrechend sind, dass sie bereits von sämtlichen Frauenzeitschriften (dazu zähle ich auch "Men's Health") durchgekaut wurden.
Und dennoch lernen wir nichts dazu – so leicht lassen sich die perfiden Mechanismen der weiblichen Psyche nicht umprogrammieren. Die da wären:
- Frauen sind das wahre starke Geschlecht.
Man kann es Mutterinstinkt nennen oder das Engel-Phänomen (einen Autopsiebericht desselbigen lest ihr hier), Tatsache ist: der weibliche Beschützertrieb gleicht einem Filter, der nur die kaputten, verletzten oder in irgendeiner Form "unfertigen" potentiellen Geschlechtspartner ins Sichtfeld oder gar ins Herz der beziehungswilligen Frauen diffundieren lässt.
Anders als Raubtiere, die dank desselben Radarsystems Beutetiere ausfindig machen, tun Frauen dies mit einem hehren Ziel: den Angebeteten aufpäppeln, beschützen, retten und ihm wieder einen Glanz in die gequälten Augen zaubern (letzteres gelingt am besten postkoital). Sei es durch nächtliche Seelenschmerz-Telefonate, Geldspritzen oder etwaige Liebesdienste: Der arme Auserwählte wird augenblicklich in einen Kokon aus Verständnis, Zuneigung und Selbstaufopferung gehüllt, denn...
- Arschlöcher sind vom Leben gezeichnet und müssen gerettet werden!
Weder diesen starken Frauen noch ihren Arschloch-Auserwählten scheint die Binsenweisheit "Karma is a bitch" ein Begriff zu sein. Nein, eine gescheiterte Existenz ist das Arschloch natürlich nicht aus Eigenverschulden, sondern, weil ihm das Leben chronisch übel mirgespielt hat.
Wenn der Angebetete mit Ende zwanzig noch bei Mutti logiert, liegt es daran, dass sie ihn schlimmer tyrannisiert als Kim-Jong das gangnamstyle-freie Nordkorea. Wenn er keinerlei Karriere vorzuweisen hat außer unqualifizierten Gelegenheitsjobs, dafür aber eine Latte an gescheiterten Beziehungen, gegen welche die Chinesische Mauer aussieht wie Nachbars Gartenzaun, ist dies nur ein trauriger Beweis für die Ungerechtigkeit der Menschen.
Seine Exfreundinnen? Allesamt eifersüchtige Psychopathinnen und promiskuitive Lügnerinnen, die die Gutherzigkeit des Armen ausgenutzt und ihn dann verlassen haben, als es nichts mehr zu holen gab. In seltenen Fällen hatte der gepeinigte Traummann schweren Herzens selbst einen Schlusstrich gezogen, weil er diesen Hexensabbat auf seinem Nervenkostüm nicht mehr ertragen konnte.
Analog wussten die ehemaligen Chefs – falls vorhanden – das Engagement des unqualifizierten Hotel-Mama-Bewohners einfach nicht zu schätzen. Und falls dem Arschloch wenigstens die traumatisierende Begegnung mit der Berufswelt erspart geblieben war, dann natürlich nicht wegen mangelnder Bildung oder Arbeitsmoral, sondern weil ihn entweder die lädierte Psyche (siehe oben) oder ein seltenes körperliches Gebrechen davon abhielten. So bekommt das Arschloch beispielsweise alleine beim Gedanken an Arbeit Depressionen oder unerklärliche Migräneanfälle, alsbald krümmt sich sein ohnehin gramgebeugter Rücken vor Schmerzen, die jede körperliche Tätigkeit unmöglich machen.
Was bleibt da der neuen Flamme übrig, als sich in eine glänzende Paladinsrüstung zu werfen (mit vorteilhaftem Dekoltee, natürlich), sich auf ein weißes Ross zu schwingen, dem geschwächten Gefährten aufsitzen zu helfen und mit ihm in eine bessere Zukunft zu galoppieren? Hand auf's Herz -
- Jede Frau will die Eine sein.
Und das geht natürlich nur, wenn sich die Herzensdame immer und überall als Ausnahme von der Regel stilisiert und ihrem Geliebten zeigt, dass es noch Menschen gibt, die es gut mit ihm meinen. Indem sie dem Arschloch dann aufhilft, wenn die boshaften Mitmenschen ihn fallen lassen würden. Sich wund arbeitet, wo andere Hilfe verweigern würden. Und erduldet, erduldet, erduldet.
Seitensprünge werden verziehen, Ausraster und schizophrene Schübe Wunden leckend weggelächelt, blanke Ignoranz toleriert – das sind doch alles nur Symptome einer gequälten Seele und Versuche, die Liebste auf Distanz zu halten. Verständlich, ist das Arschloch doch gewöhnt, von nahe stehenden Menschen verletzt zu werden.
Aber auf diese Abwehrmechanismen fallen wir nicht rein, nein, wir besiegen das System und halten tapfer alle Krisen durch, bis Mr. Right endlich geheilt ist und die emotionalen Investitionen Rendite bringen. Schließlich will sich keine Frau in die Riege der diabolischen Exfreundinnen einreihen, die diesen Jackpot vom Mann mangels Anstand und Geduld fallen ließen. Wenn nicht wir den Prinzen retten, wer dann? Dann ist sein Weltbild für immer zerstört und der Ärmste ist verloren. Also nix mit "the one that got away" – "the one that settled" ist das Credo starker Frauen!
- Arschlöcher sind nur Traummänner, die sich nie ausleben durften.
Natürlich ist keine Frau so naiv, rein aus Mitleid mit einem hoffnungslosen Fall zusammenzukommen oder, Gott bewahre, zusammenzubleiben. Wir stehen den Kampf um die Seele des Liebsten durch und trotzen den Drachen seiner Psyche, weil wir uns das flammende Banner seiner Tugenden vor Augen halten.
Wer, wenn nicht er, würde uns solch romantische Gedichte schreiben, denen schiefe Reime und metrische Stolpersteine erst die Würze und Authenzität verleihen? Wer sonst würde mit seiner Spontaneität und seinem tiefen Wissen um unsere Wünsche sogar einem Geschenk aus dem Ein-Euro-Laden mit emotionaler Bedeutung aufwerten?
Obendrein trägt unser Plan, die Eine zu sein, erste Früchte – mit seinen gewissenlosen Verflossenen hat der Liebste garantiert nicht so intensiv übers Heiraten und Kinderkriegen gesprochen wie mit uns. Genauso wenig, wie er vor diesen Harpyen sein Herz so ausschütten konnte. Seine empfindsame Seele spürt nun mal, wer es wirklich ernst mit ihm meint, und genauso ernst meint er es mit uns. Wir müssen uns nur in Geduld üben; solch große Zukunftspläne brauchen Zeit, sich zu entfalten. Immerhin spart Mr. Right schon auf einen Verlobungsring, den er uns mit einer groß angelegten romantischen Geste überreichen wird. Irgendwann.
Bis dahin wärmen wir uns an immateriellen Werten, an Sätzen, die seine Liebe und seine Einzigartigkeit besiegeln: "Ich bin immer ehrlich zu dir", "Du bist etwas ganz Besonderes", "Ich bleibe dir immer treu", und ... das ultimative Sesam-Öffne-Dich für Herzen (und Bhs): "Ich war noch mit keiner Frau so glücklich wie mit dir".
Eine solche Liebe ist prädestiniert dafür, ewig zu halten. Umso härter fällt die edle Retterin aus allen Wolken, wenn der vermeintlich unbewaffnete Schützling aus den Untiefen des Rosenrkriegs-Arsenals den Hammer hervorholt: "Wir haben uns auseinandergelebt."
Wobei, auch hier beweist der Liebste nichts als grenzenlose Feinfühligkeit. Die Dame, deren Rettungsversuche für sein Nervenkostüm nicht mehr tragbar waren, verschont er mit den wahren Gründen der Trennung. Diese spart er sich für Freunde (ja, genau die, die ihn immer hängen lassen), vielversprechende weibliche Bekanntschaften und Mutti auf. Ihnen offenbart er kummervoll die harte Realität: Unter der schilldernden Paladinsrüstung seiner Liebsten hat sich mit der Zeit ein eifersüchtiges, klammerndes, unreifes Herz offenbart – genauso schwarz und verdorben wie die Pumporgane ihrer Vorgängerinnen. Sie war doch nicht die Eine. Aber wer so oft verletzt wurde, verträgt gerade noch so auch diese Enttäuschung. Klappe, die nächste!
Samstag, 23. Februar 2013
"Gott weiß, ich will kein Engel sein ..."
Die Frauen kennen diese Spezies, mussten sie doch mindestens einmal in ihrem Leben ihren Vertreterinnen eine tröstende Schulter zum Ausweinen hinhalten. Die Männer kennen sie noch besser - schließlich ist das starke Geschlecht in 90 % der Fälle der Grund fürs Ausweinen. Jeder von ihnen hat (laut Aussage dieser Spezies) einer Vertreterin von ihnen schon mindestens einmal das Herz gebrochen.
Die Rede ist von dem Typus Frau, den ich gerne als den "handelsüblichen Engel" bezeichne.
Manchen von ihnen sieht man die Zugehörigkeit zu dieser höheren Rasse nicht sofort an. Sie tarnen sich gekonnt mit knappen Miniröcken (damit man dem ewig leidenden starken Geschlecht bequem zur Hilfe eilen kann), marialischen Dekoltes (um das große verwundete Herz zu präsentieren) und viel Schminke (um die Tränenspuren zu übertünchen).
Oftmals suchen sie sich unerwartete Orte aus, um von dort aus Liebe und Wärme in der Menschheit zu verbreiten: Bars, Diskotheken, zwielichte Ansammlungen nicht ganz nüchterner Menschen im Allgemeinen. Denn wo sonst trifft man mit so hoher Wahrscheinlichkeit auf gescheiterte Existenzen, die es mit viel Geduld aufzupäppeln gilt - das täglich Brot, äh, Ambrosia dieser Spezies?
Eines haben alle Engel gemeinsam, sonst wären es keine: Sie träumen von der perfekten Beziehung. Von bedingungslosen Liebe, Vertrauen, Respekt und davon, mit ihrem Auserwählten Hand in Hand über eine Blumenwiese zu traben. Diesen Traum im Auge, empfangen sie jeden Mann, der mit Worten, oder mit seinem Körper, oder mit irgendetwas - oft genug auch mit gar nichts - einigermaßen umgehen kann, mit offenen Armen und offenen Beinen.
Dann hebt der Engel seinen Auserwählten über die schnöde, graue, herzlose Welt hinaus und trägt ihn mit ekstatisch flatternden Flügeln in ein besseres Leben - mit Zwischenstopp zum Bierholen, wohlgemerkt. Wie ein Komet zieht diese hell und rein strahlende Liebe über das Firmament. Leider kommt kurz nach der alles verändernden Erkenntnis, seine perfekte Hälfte gefunden zu haben (und Engel haben in der Regel mehr als genug Erfahrung, um so etwas sofort beurteilen zu könenn), die Landung. Die für den Engel oft mit mehr als nur ein paar geknickten Flügelfedern endet. Beim Richten dieser entsteht zwischen der armen Seele und dem Gegenüber, der gerade das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, ein oft gehörter Dialog.
"Mein Freund hat mich verlassen, ich vermisse ihn so sehr."
"Wie lang wart ihr denn zusammen?"
"Zwei Monate!" (oder drei, oder vier, oder doch nur ein paar Wochen - auffällig ist, dass der Zeitraum des paradiesischen Glücks selten die Halbjahresmarke überschreitet)
"Warum hat er dich verlassen?"
"Oh, ich glaube, er hat mich von Anfang an verarscht und es gar nicht ernst gemeint. Er hat mich betrogen/belogen/ausgenutzt/ignoriert" (die Liste ist lang, die Quintessenz: so behandelt man einen Engel doch nicht!)
"Sei doch froh, dass du den Deppen los bist."
"Nein! Ich will ihn unbedingt wiederhaben, ich liebe ihn so!"
Der Ausgang des Dialogs variiert je nach Geschlecht des Zuhörers.
Ist dieser weiblich, bekommt der Engel wahlweise Trost, Solidarität und die Ermutigung, dass andere Mütter auch schöne und vor allem treue Söhne haben (von geduldigen Zuhörerinnen), oder den Rüffel, wie man so naiv und blöd sein konnte (von Realistinnen).
Beim männlichen Zuhörer wird es interessanter. Hier bekommt der Engel sogar noch mehr Wärme, Verständnis, es wird ermuntert und über den herzlosen Geschlechtsgenossen gewettert. Es gibt Streicheleinheiten, liebe Worte und innige Umarmungen (wo sonst, außer in einer innigen Umarmung, kann man unauffällig und auf anständige Weise Brüste zu spüren bekommen?).
Bei soviel Sanftheit und Verständnis geht dem Engel natürlich sofort ein Licht auf. Der Engel blickt in die treuherzigen Hundeaugen des Trösters und erkennt darin seine wahre bessere Hälfte.
Und schon beginnt der Kreislauf von Neuem ...
Vielleicht täte es den Engeln gut, zu begreifen, dass der Weg zum Herzen eines Mannes nicht in seiner Hose beginnt. Und wenn doch, ist dieser Mann vielleicht nicht der Mr. Right, der von einer höheren Macht (der gleichen, die die Engel im Fließbandmanier produziert) dazu auserkoren ist, ihr geschundenes Herz zu heilen.
Die Rede ist von dem Typus Frau, den ich gerne als den "handelsüblichen Engel" bezeichne.
Manchen von ihnen sieht man die Zugehörigkeit zu dieser höheren Rasse nicht sofort an. Sie tarnen sich gekonnt mit knappen Miniröcken (damit man dem ewig leidenden starken Geschlecht bequem zur Hilfe eilen kann), marialischen Dekoltes (um das große verwundete Herz zu präsentieren) und viel Schminke (um die Tränenspuren zu übertünchen).
Oftmals suchen sie sich unerwartete Orte aus, um von dort aus Liebe und Wärme in der Menschheit zu verbreiten: Bars, Diskotheken, zwielichte Ansammlungen nicht ganz nüchterner Menschen im Allgemeinen. Denn wo sonst trifft man mit so hoher Wahrscheinlichkeit auf gescheiterte Existenzen, die es mit viel Geduld aufzupäppeln gilt - das täglich Brot, äh, Ambrosia dieser Spezies?
Eines haben alle Engel gemeinsam, sonst wären es keine: Sie träumen von der perfekten Beziehung. Von bedingungslosen Liebe, Vertrauen, Respekt und davon, mit ihrem Auserwählten Hand in Hand über eine Blumenwiese zu traben. Diesen Traum im Auge, empfangen sie jeden Mann, der mit Worten, oder mit seinem Körper, oder mit irgendetwas - oft genug auch mit gar nichts - einigermaßen umgehen kann, mit offenen Armen und offenen Beinen.
Dann hebt der Engel seinen Auserwählten über die schnöde, graue, herzlose Welt hinaus und trägt ihn mit ekstatisch flatternden Flügeln in ein besseres Leben - mit Zwischenstopp zum Bierholen, wohlgemerkt. Wie ein Komet zieht diese hell und rein strahlende Liebe über das Firmament. Leider kommt kurz nach der alles verändernden Erkenntnis, seine perfekte Hälfte gefunden zu haben (und Engel haben in der Regel mehr als genug Erfahrung, um so etwas sofort beurteilen zu könenn), die Landung. Die für den Engel oft mit mehr als nur ein paar geknickten Flügelfedern endet. Beim Richten dieser entsteht zwischen der armen Seele und dem Gegenüber, der gerade das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, ein oft gehörter Dialog.
"Mein Freund hat mich verlassen, ich vermisse ihn so sehr."
"Wie lang wart ihr denn zusammen?"
"Zwei Monate!" (oder drei, oder vier, oder doch nur ein paar Wochen - auffällig ist, dass der Zeitraum des paradiesischen Glücks selten die Halbjahresmarke überschreitet)
"Warum hat er dich verlassen?"
"Oh, ich glaube, er hat mich von Anfang an verarscht und es gar nicht ernst gemeint. Er hat mich betrogen/belogen/ausgenutzt/ignoriert" (die Liste ist lang, die Quintessenz: so behandelt man einen Engel doch nicht!)
"Sei doch froh, dass du den Deppen los bist."
"Nein! Ich will ihn unbedingt wiederhaben, ich liebe ihn so!"
Der Ausgang des Dialogs variiert je nach Geschlecht des Zuhörers.
Ist dieser weiblich, bekommt der Engel wahlweise Trost, Solidarität und die Ermutigung, dass andere Mütter auch schöne und vor allem treue Söhne haben (von geduldigen Zuhörerinnen), oder den Rüffel, wie man so naiv und blöd sein konnte (von Realistinnen).
Beim männlichen Zuhörer wird es interessanter. Hier bekommt der Engel sogar noch mehr Wärme, Verständnis, es wird ermuntert und über den herzlosen Geschlechtsgenossen gewettert. Es gibt Streicheleinheiten, liebe Worte und innige Umarmungen (wo sonst, außer in einer innigen Umarmung, kann man unauffällig und auf anständige Weise Brüste zu spüren bekommen?).
Bei soviel Sanftheit und Verständnis geht dem Engel natürlich sofort ein Licht auf. Der Engel blickt in die treuherzigen Hundeaugen des Trösters und erkennt darin seine wahre bessere Hälfte.
Und schon beginnt der Kreislauf von Neuem ...
Vielleicht täte es den Engeln gut, zu begreifen, dass der Weg zum Herzen eines Mannes nicht in seiner Hose beginnt. Und wenn doch, ist dieser Mann vielleicht nicht der Mr. Right, der von einer höheren Macht (der gleichen, die die Engel im Fließbandmanier produziert) dazu auserkoren ist, ihr geschundenes Herz zu heilen.
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