Montag, 27. Januar 2014

#misanthropymonday

Ihr.
Ihr Menschen.
Ihr, deren Horizont sich am Durchmesser des Hamsterrades misst, in dem ihr rotiert.
Ein Hamsterrad, gebaut aus euren Verlustängsten, euren Minderwertigkeits- und Ödipuskomplexen, euren Zwängen, euren kleingeistigen Intrigen, euren Dogmen, eurer Ignoranz.
Ihr, die ihr euch immer bei allem angesprochen fühlt und empört aufschreit, wann immer ein Wort oder eine Geste gegen den Strich eurer scheinheiligen Korrektheit und Toleranz bürstet.
Ihr, die ihr euch einzigartig wähnt mit euren banalen Tragödien, euren einfältigen Weisheiten, euren beliebigen Baukasten-Persönlichkeiten.
Ihr Wundenlecker und "Ja, aber"-Sager, Argument-Totschläger und Nicht-zu-Ende-Denker.
Ihr Missverstandenen und Als-Kind-nicht-genug-Geknuddelten.
Ihr, die eure schwärenden Wunden an anderen reibt, um sie zu infizieren, genauso wie es mit euch geschah.
Ihr mit eurer schwachbrüstigen Hilfsbereitschaft, eurer ziellos irrenden Rationalität und eurer zahnlosen Rebellion.
Ihr, die immer alles ausdiskutieren wollt in einer sinnlos blökender Konferenz der Tiere, ohne einander jemals wirklich zuzuhören.
Ihr, die ohne etwas verstanden zu haben, die Wahrheit für euch pachtet.
Ihr Menschen.
Ihr.
Ihr seid so langweilig.


You're just people ...






Montag, 20. Januar 2014

The worst of the worst

Meine Hoffnung, online die große Liebe zu finden, hatte ich bereits in dem Moment aufgegeben, als ich anno dazumal ein Profil auf Black-Flirt erstellte. Meine Intention, diese Website für mehr oder weniger stilvolle Unterhaltungen und das Finden von Gleichgesinnten zu nutzen, wurde leider oft missverstanden – dafür bekam ich mannigfaltiges Studienmaterial an die Hand, wie Online-Singles ticken. Vor allem solche, die sich in der mir nicht ganz fremden schwarzen Szene bewegen.
Zum Glück beginnt und endet meine Online-Dating-Karriere mit Black-Flirt. Dennoch wage ich die Vermutung, dass sich ähnliche Stereotypen, wie unten beschrieben, genauso häufig auf "Normalo"-Plattformen tummeln. Bühne frei für die Binärromeos dieser Welt!


Der Copy-Paste-Charmeur
Um bei diesem Kontaktjongleur noch dem Irrglauben anheim zu fallen, man hätte als Einzige durch herausragende Qualitäten seine Aufmerksamkeit geweckt, müsste man schon eine jungfräuliche Einsiedlerin sein, die zum ersten Mal die Genüsse des Online-Datings für sich entdeckt.
Zeit ist Geld, und wenn man noch so viele hübsche Damen mit Nachrichten zu beglücken hat, bleibt eben keine Zeit, Romane zu schreiben. Deswegen beschränkt sich unser effiziente Herzensbrecher auf Schlüsselsätze wie "Hi, wie geht's dir?", "Ich bin über dein Profil gestolpert" (na hoffentlich ohne bleibende Verletzungen!), "Du bist sehr hübsch" und ähnliche Perlen der Konversation.
Wenn er in die Korrespondenz oberflächliche Bezüge zum Profil der Angebeteten einfließen lässt, die über die Bewunderung ihrer Oberweite hinausgehen, kann man getrost die Hochzeitsglocken läuten.
Diesen Hansdampf in allen Gassen auf mangelnde Kreativität hinzuweisen, bringt nichts. Während man eine empörte Nachricht zu Ende getippt hat, hat er bereits ein weiteres Bundesland mit Fließband-Plattitüden erobert. Keine Angst, eine ausbleibende Antwort bricht ihm nicht das Herz. Es gibt genug Verzweifelte, die sich auch über ein "Was machst du gerade" freuen.


Der Jackpot
Kaum hat man sich von der Verzückung beim Studieren seines Profils erholt und den Sabber von der Tastatur gewischt, stellt sich die Frage: Wie kann so jemand noch Single sein? Gutaussehend, eloquent, wohlhabend, erfolgreich ... Nichts wie her damit, so einen Traumprinzen findet man nur einmal im Leben!
Zumal dieses Ideal von Mann auch beim Gegenüber nicht mit Superlativen geizt. Hat man sich entgegen aller Minderwertigskeitskomplexe an ihn herangewagt, findet man nach raschem Nachrichtenwechsel heraus, genau die Frau zu sein, auf die er sein (alterstechnisch meist fortgeschrittenes) Leben gewartet hat. Das würde sich erst recht bestätigen, wenn die Holde ihm in regelmäßigen Abständen freizügige Bilder zukommen ließe ... aber was tut man nicht alles für die große Liebe.
Als in der Schule romantische Gedichte durchgenommen wurden, hat dieser Marty Stu* als Einziger aufgepasst und weiß daher seiner Angebeteten in gewählter Sprache zu vermitteln, dass sie die Schönste, Anziehendste und Liebenswerteste ist. Damit es nicht zu kitschig wird, fragt der Mann von Welt seine Herzensdame gerne beiläufig um Rat, ob er sich nun einen neuen Mercedes oder einen BMW anschaffen soll. Natürlich erst, nachdem er von seiner Weltreise zurückgekehrt ist. Hach ...
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* Marty Stu = männliche Version der Mary Sue (Prototyp einer ebenso perfekten wie sterbenslangweiligen Romanfigur)


Der Waldschrat
Was dieser Eigenbrötler auf einer Plattform verloren hat, die dem lockeren Kontakteknüpfen dient, bleibt ein Mysterium. Genau wie seine von undankbaren, beschränkten Zeitgenossen verkannte Persönlichkeit. Nur eine Konstante ist klar erkennbar: Er hasst alles und jeden, hat in seinem Leben nichts als Enttäuschungen erlebt und weiß ganz genau, was er NICHT will. Nämlich dich. Genau dich. Jedem trven Black-Metal-Puristen würde das Corpsepaint verlaufen vor Freudentränen angesichts dieses personfiizerten Ideals.
Hat man sich in einem suizidalen Moment durchgerungen, diesen Misanthropen zu kontaktieren, versteht man nach wenigen Zeilen, woher die scheinbar selbst gewählte Einsamkeit rührt. Selbst auf Gleichgesinnte, die seinen Ansprüchen gerecht werden, reagiert er im schlimmsten Fall mit bitterer Skepsis, im besten Fall (* schluck *) mit Lamentationen über sein unerfreuliches Dasein. Am liebsten würde man einen Jahresvorrat Tavor digitalisieren und ihm zukommen lassen, aber das lässt nicht einmal ein Premium-Account zu.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich irgendwann eine geduldige Seele findet, den Panzer aus Weltschmerz zu knacken. Bis dahin bleibt dem erwachsenen Emo seine linke Hand treu. Die findet er auch ohne Kontakt-Annonce.


Der Super-Duper-Dom
Diesen Menschenschlag gibt es in unterschiedlichen Geschmack(losigkeit)srichtungen – entfernt mit dem Jackpot-Typen verwandt, aber nicht halb so unterhaltsam.
Hat sich dieser Egomane, wie der Titel besagt, dem BDSM verschrieben, so ist die Schlagrichtung seiner Kontaktaufnahme folgende: Er hat die potentielle Unterwürfige anhand ihres Profils auf Herz und Nieren geprüft und sie für würdig befunden, ihm zu dienen und ihm die Füße zu küssen. Sofort, jetzt und in alle Ewigkeit. Reklamationen gibt's nicht, und welche unbedarfte Frau würde eine solche Ehre auch zurückweisen wollen?
Seine softere Ausführung begnügt sich mit einer großspurigen Nachricht zwischen Tür und Angel, dass er die Auserwählte für eines Treffens würdig hält und sie ihn gerne kontaktieren darf – meistens mit gleich beigefügter Handynummer. Natürlich darf nicht der Disclaimer fehlen, dass er längst nicht jede anschreibt und dass dieses Kontaktangebot bereits eine Auszeichnung ist, die auszuschlagen einfach nur dämlich wäre.
Die Profilbilder und weiterführenden Angaben solcher wandelnden Superlative glänzen meist durch ... Abwesenheit. Ihre Großartigkeit müssen sie schließlich nicht unter Beweis stellen, und wenn die Angebetete das ihr zuteil gewordene Glück hinterfragt, dann liegt hier wohl ein Irrtum vor. Wobei, solche Prachtexemplare irren sich bekanntlich ja nie.


Die Einbahnstraße
"Offen und ehrlich", "unkompliziert", "weiß was er will" – gegen solche Prämissen ist erst einmal nichts einzuwenden. Bestimmt auch nicht dagegen, dass der Mann, der sich dahinter verbirgt, mit seiner Auserwählten offen und ehrlich Schweinkram austauschen will, nach unkomplizierten Sexkontakten sucht und genau weiß, welche Bedürfnisse er befriedigt haben will. Beim Verfolgen seiner Ziele nimmt er kein Blatt vor den Mund und ist auch nicht zimperlich, Vorbehalte aus dem Weg zu räumen. Einige Nachrichten mit belanglosem Small-Talk, die bereits mit eindeutigen Andeutungen versetzt sind, decken bei diesem Potenzwunder sowohl Werbephase als auch Vorspiel ab. Wenn nach dieser Ouvertüre noch keine hüllenlosen Offenbarungen seinen Bildschirm zieren, wird er unruhig bis aggressiv.
Ebenso wie beim Copy-Paste-Charmeur ist Widerstand zwecklos. Auch mehr oder weniger bissiger Humor rettet einen nicht vor der Keule, man sei prüde, nicht aufgeschlossen genug oder schlichtweg langweilig, wenn man Mr. Direkt nicht sofort das gibt, was er will. Bevor er die virtuelle Tür zuknallt, lässt er gerne zum Abschied den Vorwurf da, man hätte mit ihm gespielt und unnötige Erwartungen geweckt. Wie denn? Durch das Lesen der Nachricht?


Und weil es so schön ist, und die Welt nicht schwarz weiß, sondern grau skaliert ist, gibt es von diesen Grundtypen (und denen, mit denen ich nicht das Vergnügen hatte oder die ich vergessen habe) diverse Mischformen.


Da ich beileibe keine verbitterte Feministin bin und außerdem eine Schwäche für Symmterie habe, rufe ich nun meine männliche Leserschaft (welche Leserschaft, höhö) auf: Habt ihr ähnliche Stereotypen bei Damen im Online-Dating ausmachen können? Wenn ja, freue ich mich über eure Erfahrungen und weiteres Material.






Samstag, 18. Januar 2014

Fassadenkritzeleien

In der Kunst bezeichnet "Horror Vacui" im weitesten Sinne die Angst vor der leeren Fläche, die Künstler dazu animiert, diese Leere mit allerlei Ornamenten zu füllen. Mit etwas Phantasie lässt es sich also auch auf die Angst des Schreibers vor dem weißen Blatt übersetzen.
Diese Angst ließ bei mir bisher jegliche Versuche, einen Blog oder auch nur ein Tagebuch zu führen, scheitern.

Warum? Weil ich bestrebt war, diese leere Fläche nicht nur zu füllen, sondern angemessen zu fühlen, und mich durch die selbst auferlegten Ansprüche an einen bestimmten Stil, ein themengebundenes Inhaltsspektrum, eine wiederkennbare Signatur selbst ausbremste.
So ließ ich meinen alten Blog, obwohl sein Titel "Verbale Inkontinenz" in der Theorie der sinnlosen Produktivität Tür und Tor öffnen sollte, in regelmäßigen Abständen verwahrlosen. Obwohl ich genug zu sagen und zu schreiben hätte, fiel mir nichts ein - nichts, was zu dem selbst ausgedachten Leitfaden an Themen und Stil passte.

Schluss damit! Ein Schüler, der aus Langeweile in seinem Block kritzelt, wendet auf sein Schaffen auch nicht die gleichen Kriterien an wie auf den praktischen Teil des Kunstabiturs. Es wird ja nicht bewertet - ebensowenig wie hier, denn mal ehrlich: Wer liest das überhaupt?

Nachdem liebevoll formulierte Satiren im alten Blog, wenn überhaupt, einmal im Schaltjahr einen unmotivierten Einzeiler Feedback einbrachten, habe ich meinen Traum von einem frequenzierten und diskutierten Trendblog an den Nagel gehängt.

Stattdessen werde ich diese Platzform nutzen, um meinem eigenen ganz persönlichen Horror Vacui zu entrinnen, und alles niederschreiben und posten, was mir in den Sinn kommt - seien es Tagebucheinträge, Pamphlete über die Übel dieser Welt oder Satiren. Ganz ohne künstlerischen Anspruch, ohne den prätentiös-ironischen Tonfall, der im alten Blog so schwer zu halten war. Die Semi-Öffentlichkeit hier ist ein ganz nützlicher Selbstbetrug, zumal ich mich partout nicht motivieren kann, ausschließlich für die Schublade zu schreiben.

*Hier pseudo-eloquenten, hochmotivierten abschließenden Satz einfügen* Auf ... auf dass ... auf was eigentlich? Darauf, dass ich irgendwann nach ein paar Jahren diese Seite aus der Versenkung hole und mir die Haare raufe, was für einen Stuss ich damals zusammengeschrieben habe. Wie es mir neulich mit meinem alten Tagebuch erging.



Das Stalingrad der Grammar Nazis


Facebook ist kein schöner Ort für Grammar Nazis. Ja, nicht einmal für harmlose Grammar-Nazi-Anwärter vom BDM (Bund detailverliebter Menschen), die aus chronischer Langeweile ihre ersten passiv-aggressiven Bekehrungsversuche wagen. Siehe das dröge Debakel unten.

Hätte ich genug Hände, um gebührend zu facepalmen, würde ich vermutlich als neue Gottheit in den hinduistischen Olymp aufsteigen (bitte nicht, da darf man keine Burger essen!) Deswegen hadere ich mit mir, welchem Debilitätsaspekt der erste Facepalm gelten soll.




    a) Jemand mit Langeweile hat seine Lebenszeit darauf verschwendet, ein unschuldiges Bildbearbeitungsprogramm mit einer weiteren Binsenweisheit zu quälen. Sein Mitteilungsbedürfnis war hierbei wohl so groß, dass er seinen Tiefsinn-Frankenstein auf die digitale Welt losgelassen hat, ohne sich mit Kommata aufzuhalten. Oder wirken Teenie-Poesiealbum-Erkenntnisse über Männer und Frauen inbrünstiger, wenn sie eilig hingeschmiert daherkommen?
    b) Jemand mit noch mehr Langeweile hielt es wirklich für nötig, auf meinen schwachbrüstigen Seitenhieb eine solch unmotivierte Konter abzufeuern. Aber hey, Lichtblick: Es muss sich um einen höflichen Gutmenschen handeln, schließlich hat er das böse Pfui-Wort mit Pünktchen zensiert. Hoo-fucking-ray.
    c) Jemand mit Langeweile UND Zwangsneurosen, die jeden Rechtschreib-Faschisten blass aussehen lassen, hat sich anscheinend durch mein Profil gestalkt, nur um mir ein ebenso schändliches Vergehen meinerseits unter die Nase zu reiben. (Wobei ich finde, dass man durchaus zwischen Flüchtigkeits-Vertippern und Fehlern, die auf mangelnde Kenntnis der Grammatik
    d) Jemand mit besonders viel Schlagfertigkeit zieht nicht nur die Diskussion, sondern auch den Inhalt des klugen Bildchens mit seinem Kalauer ad absurdum.
    e) Und schließlich Leute, die dieses Bildchen bedeutungsvoll genug finden, um auf "Off Topic" hinzuweisen, und damit einen ohnehin eher halbherzigen Shitstorm im Keim ersticken.
    f) Und all das in einwandfreier Rechtschreibung ... not.


Grammar Nazis mag niemand, sie sind die digitale Fortsetzung der Erste-Reihe-Streber, die nach der Schule vermöbelt wurden. Warum eigentlich? Weil Menschen es hassen, auf ihre Fehler hingewiesen zu werden? Weil ein Wissensvorteil, und sei es bei etwas so Banalem und Selbstverständlichem wie Rechtschreibung und Grammatik, ihnen Unbehagen bereitet?


Diesen "Mut zur (Bildungs-)Lücke"-Trend fand ich bereits im realen Leben besorgniserregend. Warum fühlen sich gerade Leute, die nicht fähig oder nicht willens sind, in welchem Bereich auch immer simple Kenntnisse anzuwenden, jenen gegenüber überlegen, die dies gewissenhaft tun?
Seit wann ist korrekte Rechtschreibung optional und die Nichtbeachtung derselbigen ein Statement der Individualität? Bei einer einwandfreien Bewerbung lächelt ein Personalchef ja auch nicht mitleidig, nach dem Motto "Der ist grammatikalisch so overdressed, solche Streber können wir nicht brauchen!"

Montag, 18. November 2013

Stilblüten mit und ohne Dornen

Wie viel Unsinn man mit Menschen so über die Zeit plappert, bemerkt man erst, wenn man sich angewöhnt hat, die Sprüche, die einem in Erinnerung geblieben sind, zu notieren. Das Ergebnis jahrelangen Bullshittings ist folgende kleine Compilation. Garantiert keine millionenfach auf Instagram durchgekauten Zitate von Berühmtheiten, sondern Aufgeschnapptes aus dem ganz normalen Wahnsinn. Und wer sich als Urheber des einen oder anderen Spruchs wiedererkennt, sollte sich, bevor er gegen mich klagt, eher geschmeichelt fühlen - hey, ich finde euch schlagfertig!

"Du hältst mich wohl für die letzte Schlampe, oder?"
"Nein, für die erste!"

"Im Dunkeln seht ihr alle viel besser aus."

"Warum interessieren sich immer nur Jüngere für mich?"
"Weil du ihnen Süßigkeiten und Babykaninchen versprichst?"

Beim Kellnern: "Drei Spezi für den Tisch da hinten. Und für mich die Gnadenkugel."

"Soll ich was kochen oder willst du?"
"Du stehst näher am Herd. Du kochst."

"Gehen, wir in die Kantine, da gibt's was zu essen."
"Hast du etwa Hunger?"
"Nee, Durst."

"Igitt, du lebst in Bayern und sagst BRÖTCHEN?!"
"Ich bin ganz hart, manchmal sage ich sogar FRIKADELLE!"

Freud'scher Versprecher: "Wie soll ich ihm jetzt in die Augen treten?"

"Häng ihn nicht zu hoch. Aber häng ihn."

"Männer haben immer ihr Feuer in mehreren Eisen. Äh, ihr Eisen in mehreren Feuern. Äh... vergiss es."

"Ich fühle mich gerade wie Napoleon bei Waterloo ... oder wer hat da noch mal gewonnen? Ach so, Napoleon hat verloren? Mein ich doch!"

"Boah, warum hast du ihm nur davon erzählt?"
"Er war doch selbst dabei!"

"Irgendwas habe ich heute scheiße gefunden, aber ich weiß nicht mehr, was es war."

"Ich bin krank, mir geht's gerade echt dreckig."
"Oh, kann ich dir etwas bringen?"
"Den Tod?"

"Ich will sie adoptieren!"
"Bloß nicht! Wenn du für sie das Sorgerecht bekommst, würdest du sie auf den Strich schicken!"

"Wir komischen Vögel sind doch dafür da, uns gegenseitig hochzuziehen."
"Aber hoffentlich nicht am Galgen."

"Und das machst du seit deiner Geburt oder noch länger...?"

"So behandelt man doch keine Frau!"
"Du bist keine Frau, du bist Metallerin!"

"Boah, der Sturm da draußen hat mich fast weggefegt!"
"Cool! Das nächste Mal binde ich dich an einen Faden und verwende dich als Drachen!"

"Wie werde ich Ask als Suchmaschine los?"
"Indem du deine Festplatte formatierst und dann verbrennst!"

"Spielen wir Flaschendrehen!"
"Okay, du da, leg dich in der Mitte auf den Boden!"


"Lass das Schleimen, sonst rutscht du noch aus."
"Kann mir nicht passieren, ich hab Gummistiefel an!"

"Ich nehm Bier mit!"
"Ich nehm Durst mit!"

"Ich habe noch alle Tassen im Schrank!"
"Ja, aber der Schrank ist umgefallen."

"Das ist Mobbing am Arbeitsplatz, was ihr da macht, wisst ihr das?"
"Nein, wieso? Mobbing wäre es erst, wenn sie dabei ist!"

"Gib mir ein Messer, ich will jemand töten!"
"Kommt nicht in Frage."
"Wieso nicht?"
"Du kannst doch selbst in die Küche gehen und dir eins holen!"

"Heute koch ich was Leckeres!"
"Okay, aber vergiss nicht, die Arsenmenge auf das Körpergewicht abzustimmen!"

"Kamillentee?! Ich trink' doch keine Blumen!"

"Sie mag Zaz, das macht sie schon mal sympathisch."
"Pah, bloß weil sie auf Französisch steht!"

Montag, 4. November 2013

Der Mimimist: ein Gesamtkunstwerk

Mit Verbreitung der Social Media, die jedem Wehwehchen eine mächtige Stimme verleihen, hat sich eine revolutionäre neue Kunstform herauskristallisiert: der Mimimismus.
Vertreter dieser Strömung zeichnen sich - wie alle wahren Künstler - durch eine besondere Sicht auf das Weltgeschehen aus. Zielsicher rückt ihr leidgetrübter Blick die wahren Katastrophen der Welt in den Fokus: Regenwetter, abgebrochene Fingernägel, ausbleibende Likes bei Facebook.
Um den Mitmenschen die Augen für das Leiden zu öffnen, produziert der Mimimist im Sekundentakt bedeutungsschwangere Gefühlsupdates. Damit die ignorante Gemeinde ja nicht übersieht, wie verkannt, einsam und verloren der Mimist im Moment ist. Und in zwei Stunden sein wird. Und übermorgen auch.

Die Welt ist schlecht, vergänglich und trist - diese Philosophie kennen wir doch irgendwoher. Und zwar von ungewaschenen Perückenträgern, die ihrem Weltschmerz in prunkvollen Orgien (Partymotto: "Memento mori") davontanzten, im Jahre des Herrn Sechzehnhundert-ich-sterbe-gleich.
Aber im Unterschied zu ihren barocken Urahnen sagen die Mimimisten nicht "Die böse Welt geht morgen unter, also haue ich heute auf den Putz, und wenn sie morgen nicht untergeht, dann feiern wir da weiter" ... nein, das wäre ja Mainstream und eine Verleugnung ihrer tiefen Gemütsregungen.
Nein, der Mimimist überdauert die grauen Stunden vor der Apokalypse in seinem voll vernetzten dunklen Kämmerlein und harrt, leise schluchzend, der Dinge, die da kommen. Was bleibt ihm auch anderes übrig, wenn die herzlosen Menschen um ihn herum weder Zeit noch Gehör für ihn finden und nicht bereit sind, ihr schnödes Tun ruhen zu lassen, um dem Leidenden zur Hilfe zu eilen. 

Und wenn sich doch einer der Herzlosen dazu herablässt, dem Mimisten mit einer helfenden Hand oder einem Rat (die Palette reicht von "Geh doch mal raus" bis "Hör auf zu heulen, das will keiner hören"!) beizustehen, wendet sich dieser mit einem gequälten Lächeln ab. Dieses manifestiert sich in seiner bevorzugten elektronischen Ausdrucksform in bitteren Kommentaren wie "Ihr versteht nicht, was ich durchmache, ihr könnt ja gut reden, aber wenn ihr an meiner Stelle wärt, würdet ihr euch genauso fühlen! Ihr redet nur, aber helfen tut mir keiner!"
Der Mimimist legt nämlich eine Kritikresistenz an der Tag, von der seine verkannten Vorgänger nur träumen können. Jeder Versuch von Banausen, seine düsteren Gedanken als Gejammer abzutun, jegliche Blasphemie in Form eines nüchternen Lösungsvorschlags wird gekonnt als Vorlage für weitere Kunstwerke des Leidens verwendet. Im Fundus des Mimimisten findet sich vielfältiges Handwerkszeug, den Kritikern zu trotzen: Ignorieren, Ausweichen, nebulöse Vorwürfe oder betretenes Schweigen, wenn er verbittert einsieht, dass er die Massen nicht zum Mitgefühl bekehren kann.

Liebe Nicht-Mimimisten, lasst euch sagen: Ihr versteht gar nichts! Die Ausführungen des Mimimisten sind kein Gejammer, sondern eine Kunstform. Er will keine Ratschläge hören, sondern ... was eigentlich? Ein weiterer charakteristischer Zug dieser Zunft ist nämlich, dass man ihren Vertretern es nicht recht machen kann. Da telefoniert man stundenlang oder eilt durch die Nacht, dem Mimimisten in seinem Leid beizustehen, weil man seinem schluchzenden Lockruf folgte ... und stellt am nächsten Morgen beim Durchschauen der Facebook-Updates fest, dass man doch nur als Muse gedient hat für weitere Ergüsse darüber, wie sehr der Mimimist von allen in Stich gelassen und verachtet wird.

Ich bin dafür, ein Museum des Mimimismus zu erbauen. Und so fest, wie die Künstler überzeugt sind, dass sich keiner dafür interessieren wird - es wird aus allen Nähten platzen.

Freitag, 4. Oktober 2013

Akte Arschloch

"Männer und Fraun sind das nackte Graun,
wenn sie sich stundenlang tief in die Augen schaun,
und die Frauen andren Fraun ihre Männer klaun,
und die Männer sowieso nur Scheiße baun."


Ein Körnchen Wahrheit muss in diesem Ärzte-Lied stecken – warum sonst singen wir immer wieder mit, obwohl es schon mindestens ein halbes Jahr regelmäßig aus dem Autoradio dudelt?
Um der Emanzen-Keule auszuweichen: Nicht alle Männer bauen Scheiße, wohlgemerkt. Nur die spezielle Unterart "Arschloch", deren Population sich dank der evolutionären Vorteile jedoch von Jahr zu Jahr (oder in der subjektiven Sichtweise "lebenserfahrener" Frauen: von Beziehung zu Beziehung) exponentiell steigert.
Aber woraus bestehen diese evolutionären Vorteile, die dazu führen, dass sich die Arschlöcher stets aus Jagdgründen voller williger Frauen bedienen, während ihre weniger anpassungsfähigen Zeitgenossen (auch "nette Kerle" genannt) sich seit Jahren mit einem halbherzigen "Hallo, wie geht's" der heimlich Angebeteten sowie beinahe ebenso unnerreichbaren Pixel-Busenwundern über Wasser halten?
Meine Feldstudien haben einige Lösungsansätze ans Tageslicht gebracht, die so bahnbrechend sind, dass sie bereits von sämtlichen Frauenzeitschriften (dazu zähle ich auch "Men's Health") durchgekaut wurden.
Und dennoch lernen wir nichts dazu – so leicht lassen sich die perfiden Mechanismen der weiblichen Psyche nicht umprogrammieren. Die da wären:


  1. Frauen sind das wahre starke Geschlecht.
    Man kann es Mutterinstinkt nennen oder das Engel-Phänomen (einen Autopsiebericht desselbigen lest ihr hier), Tatsache ist: der weibliche Beschützertrieb gleicht einem Filter, der nur die kaputten, verletzten oder in irgendeiner Form "unfertigen" potentiellen Geschlechtspartner ins Sichtfeld oder gar ins Herz der beziehungswilligen Frauen diffundieren lässt.
    Anders als Raubtiere, die dank desselben Radarsystems Beutetiere ausfindig machen, tun Frauen dies mit einem hehren Ziel: den Angebeteten aufpäppeln, beschützen, retten und ihm wieder einen Glanz in die gequälten Augen zaubern (letzteres gelingt am besten postkoital). Sei es durch nächtliche Seelenschmerz-Telefonate, Geldspritzen oder etwaige Liebesdienste: Der arme Auserwählte wird augenblicklich in einen Kokon aus Verständnis, Zuneigung und Selbstaufopferung gehüllt, denn...

  2. Arschlöcher sind vom Leben gezeichnet und müssen gerettet werden!
    Weder diesen starken Frauen noch ihren Arschloch-Auserwählten scheint die Binsenweisheit "Karma is a bitch" ein Begriff zu sein. Nein, eine gescheiterte Existenz ist das Arschloch natürlich nicht aus Eigenverschulden, sondern, weil ihm das Leben chronisch übel mirgespielt hat.
    Wenn der Angebetete mit Ende zwanzig noch bei Mutti logiert, liegt es daran, dass sie ihn schlimmer tyrannisiert als Kim-Jong das gangnamstyle-freie Nordkorea. Wenn er keinerlei Karriere vorzuweisen hat außer unqualifizierten Gelegenheitsjobs, dafür aber eine Latte an gescheiterten Beziehungen, gegen welche die Chinesische Mauer aussieht wie Nachbars Gartenzaun, ist dies nur ein trauriger Beweis für die Ungerechtigkeit der Menschen.
    Seine Exfreundinnen? Allesamt eifersüchtige Psychopathinnen und promiskuitive Lügnerinnen, die die Gutherzigkeit des Armen ausgenutzt und ihn dann verlassen haben, als es nichts mehr zu holen gab. In seltenen Fällen hatte der gepeinigte Traummann schweren Herzens selbst einen Schlusstrich gezogen, weil er diesen Hexensabbat auf seinem Nervenkostüm nicht mehr ertragen konnte.
    Analog wussten die ehemaligen Chefs – falls vorhanden – das Engagement des unqualifizierten Hotel-Mama-Bewohners einfach nicht zu schätzen. Und falls dem Arschloch wenigstens die traumatisierende Begegnung mit der Berufswelt erspart geblieben war, dann natürlich nicht wegen mangelnder Bildung oder Arbeitsmoral, sondern weil ihn entweder die lädierte Psyche (siehe oben) oder ein seltenes körperliches Gebrechen davon abhielten. So bekommt das Arschloch beispielsweise alleine beim Gedanken an Arbeit Depressionen oder unerklärliche Migräneanfälle, alsbald krümmt sich sein ohnehin gramgebeugter Rücken vor Schmerzen, die jede körperliche Tätigkeit unmöglich machen.
    Was bleibt da der neuen Flamme übrig, als sich in eine glänzende Paladinsrüstung zu werfen (mit vorteilhaftem Dekoltee, natürlich), sich auf ein weißes Ross zu schwingen, dem geschwächten Gefährten aufsitzen zu helfen und mit ihm in eine bessere Zukunft zu galoppieren? Hand auf's Herz -
  1. Jede Frau will die Eine sein.
    Und das geht natürlich nur, wenn sich die Herzensdame immer und überall als Ausnahme von der Regel stilisiert und ihrem Geliebten zeigt, dass es noch Menschen gibt, die es gut mit ihm meinen. Indem sie dem Arschloch dann aufhilft, wenn die boshaften Mitmenschen ihn fallen lassen würden. Sich wund arbeitet, wo andere Hilfe verweigern würden. Und erduldet, erduldet, erduldet.
    Seitensprünge werden verziehen, Ausraster und schizophrene Schübe Wunden leckend weggelächelt, blanke Ignoranz toleriert – das sind doch alles nur Symptome einer gequälten Seele und Versuche, die Liebste auf Distanz zu halten. Verständlich, ist das Arschloch doch gewöhnt, von nahe stehenden Menschen verletzt zu werden.
    Aber auf diese Abwehrmechanismen fallen wir nicht rein, nein, wir besiegen das System und halten tapfer alle Krisen durch, bis Mr. Right endlich geheilt ist und die emotionalen Investitionen Rendite bringen. Schließlich will sich keine Frau in die Riege der diabolischen Exfreundinnen einreihen, die diesen Jackpot vom Mann mangels Anstand und Geduld fallen ließen. Wenn nicht wir den Prinzen retten, wer dann? Dann ist sein Weltbild für immer zerstört und der Ärmste ist verloren. Also nix mit "the one that got away" – "the one that settled" ist das Credo starker Frauen!

  2. Arschlöcher sind nur Traummänner, die sich nie ausleben durften.
    Natürlich ist keine Frau so naiv, rein aus Mitleid mit einem hoffnungslosen Fall zusammenzukommen oder, Gott bewahre, zusammenzubleiben. Wir stehen den Kampf um die Seele des Liebsten durch und trotzen den Drachen seiner Psyche, weil wir uns das flammende Banner seiner Tugenden vor Augen halten.
    Wer, wenn nicht er, würde uns solch romantische Gedichte schreiben, denen schiefe Reime und metrische Stolpersteine erst die Würze und Authenzität verleihen? Wer sonst würde mit seiner Spontaneität und seinem tiefen Wissen um unsere Wünsche sogar einem Geschenk aus dem Ein-Euro-Laden mit emotionaler Bedeutung aufwerten?
    Obendrein trägt unser Plan, die Eine zu sein, erste Früchte – mit seinen gewissenlosen Verflossenen hat der Liebste garantiert nicht so intensiv übers Heiraten und Kinderkriegen gesprochen wie mit uns. Genauso wenig, wie er vor diesen Harpyen sein Herz so ausschütten konnte. Seine empfindsame Seele spürt nun mal, wer es wirklich ernst mit ihm meint, und genauso ernst meint er es mit uns. Wir müssen uns nur in Geduld üben; solch große Zukunftspläne brauchen Zeit, sich zu entfalten. Immerhin spart Mr. Right schon auf einen Verlobungsring, den er uns mit einer groß angelegten romantischen Geste überreichen wird. Irgendwann.
    Bis dahin wärmen wir uns an immateriellen Werten, an Sätzen, die seine Liebe und seine Einzigartigkeit besiegeln: "Ich bin immer ehrlich zu dir", "Du bist etwas ganz Besonderes", "Ich bleibe dir immer treu", und ... das ultimative Sesam-Öffne-Dich für Herzen (und Bhs): "Ich war noch mit keiner Frau so glücklich wie mit dir".


Eine solche Liebe ist prädestiniert dafür, ewig zu halten. Umso härter fällt die edle Retterin aus allen Wolken, wenn der vermeintlich unbewaffnete Schützling aus den Untiefen des Rosenrkriegs-Arsenals den Hammer hervorholt: "Wir haben uns auseinandergelebt."
Wobei, auch hier beweist der Liebste nichts als grenzenlose Feinfühligkeit. Die Dame, deren Rettungsversuche für sein Nervenkostüm nicht mehr tragbar waren, verschont er mit den wahren Gründen der Trennung. Diese spart er sich für Freunde (ja, genau die, die ihn immer hängen lassen), vielversprechende weibliche Bekanntschaften und Mutti auf. Ihnen offenbart er kummervoll die harte Realität: Unter der schilldernden Paladinsrüstung seiner Liebsten hat sich mit der Zeit ein eifersüchtiges, klammerndes, unreifes Herz offenbart – genauso schwarz und verdorben wie die Pumporgane ihrer Vorgängerinnen. Sie war doch nicht die Eine. Aber wer so oft verletzt wurde, verträgt gerade noch so auch diese Enttäuschung. Klappe, die nächste!