Ihr.
Ihr Menschen.
Ihr, deren Horizont sich am Durchmesser des Hamsterrades misst, in
dem ihr rotiert.
Ein Hamsterrad, gebaut aus euren Verlustängsten, euren
Minderwertigkeits- und Ödipuskomplexen, euren Zwängen, euren
kleingeistigen Intrigen, euren Dogmen, eurer Ignoranz.
Ihr, die ihr euch immer bei allem angesprochen fühlt und empört
aufschreit, wann immer ein Wort oder eine Geste gegen den Strich
eurer scheinheiligen Korrektheit und Toleranz bürstet.
Ihr, die ihr euch einzigartig wähnt mit euren banalen Tragödien,
euren einfältigen Weisheiten, euren beliebigen
Baukasten-Persönlichkeiten.
Ihr Wundenlecker und "Ja, aber"-Sager,
Argument-Totschläger und Nicht-zu-Ende-Denker.
Ihr Missverstandenen und Als-Kind-nicht-genug-Geknuddelten.
Ihr, die eure schwärenden Wunden an anderen reibt, um sie zu
infizieren, genauso wie es mit euch geschah.
Ihr mit eurer schwachbrüstigen Hilfsbereitschaft, eurer ziellos
irrenden Rationalität und eurer zahnlosen Rebellion.
Ihr, die immer alles ausdiskutieren wollt in einer sinnlos
blökender Konferenz der Tiere, ohne einander jemals wirklich
zuzuhören.
Ihr, die ohne etwas verstanden zu haben, die Wahrheit für euch
pachtet.
Ihr Menschen.
Ihr.
Ihr seid so langweilig.
You're just people ...
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Montag, 27. Januar 2014
Montag, 20. Januar 2014
The worst of the worst
Meine Hoffnung, online die große Liebe zu finden, hatte ich
bereits in dem Moment aufgegeben, als ich anno dazumal ein Profil auf
Black-Flirt erstellte. Meine Intention, diese Website für mehr oder
weniger stilvolle Unterhaltungen und das Finden von Gleichgesinnten
zu nutzen, wurde leider oft missverstanden – dafür bekam ich
mannigfaltiges Studienmaterial an die Hand, wie Online-Singles
ticken. Vor allem solche, die sich in der mir nicht ganz fremden
schwarzen Szene bewegen.
Zum Glück beginnt und endet meine Online-Dating-Karriere mit Black-Flirt. Dennoch wage ich die Vermutung, dass sich ähnliche Stereotypen, wie unten beschrieben, genauso häufig auf "Normalo"-Plattformen tummeln. Bühne frei für die Binärromeos dieser Welt!
Der Copy-Paste-Charmeur
Um bei diesem Kontaktjongleur noch dem Irrglauben anheim zu fallen, man hätte als Einzige durch herausragende Qualitäten seine Aufmerksamkeit geweckt, müsste man schon eine jungfräuliche Einsiedlerin sein, die zum ersten Mal die Genüsse des Online-Datings für sich entdeckt.
Zeit ist Geld, und wenn man noch so viele hübsche Damen mit Nachrichten zu beglücken hat, bleibt eben keine Zeit, Romane zu schreiben. Deswegen beschränkt sich unser effiziente Herzensbrecher auf Schlüsselsätze wie "Hi, wie geht's dir?", "Ich bin über dein Profil gestolpert" (na hoffentlich ohne bleibende Verletzungen!), "Du bist sehr hübsch" und ähnliche Perlen der Konversation.
Wenn er in die Korrespondenz oberflächliche Bezüge zum Profil der Angebeteten einfließen lässt, die über die Bewunderung ihrer Oberweite hinausgehen, kann man getrost die Hochzeitsglocken läuten.
Diesen Hansdampf in allen Gassen auf mangelnde Kreativität hinzuweisen, bringt nichts. Während man eine empörte Nachricht zu Ende getippt hat, hat er bereits ein weiteres Bundesland mit Fließband-Plattitüden erobert. Keine Angst, eine ausbleibende Antwort bricht ihm nicht das Herz. Es gibt genug Verzweifelte, die sich auch über ein "Was machst du gerade" freuen.
Der Jackpot
Kaum hat man sich von der Verzückung beim Studieren seines Profils erholt und den Sabber von der Tastatur gewischt, stellt sich die Frage: Wie kann so jemand noch Single sein? Gutaussehend, eloquent, wohlhabend, erfolgreich ... Nichts wie her damit, so einen Traumprinzen findet man nur einmal im Leben!
Zumal dieses Ideal von Mann auch beim Gegenüber nicht mit Superlativen geizt. Hat man sich entgegen aller Minderwertigskeitskomplexe an ihn herangewagt, findet man nach raschem Nachrichtenwechsel heraus, genau die Frau zu sein, auf die er sein (alterstechnisch meist fortgeschrittenes) Leben gewartet hat. Das würde sich erst recht bestätigen, wenn die Holde ihm in regelmäßigen Abständen freizügige Bilder zukommen ließe ... aber was tut man nicht alles für die große Liebe.
Als in der Schule romantische Gedichte durchgenommen wurden, hat dieser Marty Stu* als Einziger aufgepasst und weiß daher seiner Angebeteten in gewählter Sprache zu vermitteln, dass sie die Schönste, Anziehendste und Liebenswerteste ist. Damit es nicht zu kitschig wird, fragt der Mann von Welt seine Herzensdame gerne beiläufig um Rat, ob er sich nun einen neuen Mercedes oder einen BMW anschaffen soll. Natürlich erst, nachdem er von seiner Weltreise zurückgekehrt ist. Hach ...
_____________________
* Marty Stu = männliche Version der Mary Sue (Prototyp einer ebenso perfekten wie sterbenslangweiligen Romanfigur)
Der Waldschrat
Was dieser Eigenbrötler auf einer Plattform verloren hat, die dem lockeren Kontakteknüpfen dient, bleibt ein Mysterium. Genau wie seine von undankbaren, beschränkten Zeitgenossen verkannte Persönlichkeit. Nur eine Konstante ist klar erkennbar: Er hasst alles und jeden, hat in seinem Leben nichts als Enttäuschungen erlebt und weiß ganz genau, was er NICHT will. Nämlich dich. Genau dich. Jedem trven Black-Metal-Puristen würde das Corpsepaint verlaufen vor Freudentränen angesichts dieses personfiizerten Ideals.
Hat man sich in einem suizidalen Moment durchgerungen, diesen Misanthropen zu kontaktieren, versteht man nach wenigen Zeilen, woher die scheinbar selbst gewählte Einsamkeit rührt. Selbst auf Gleichgesinnte, die seinen Ansprüchen gerecht werden, reagiert er im schlimmsten Fall mit bitterer Skepsis, im besten Fall (* schluck *) mit Lamentationen über sein unerfreuliches Dasein. Am liebsten würde man einen Jahresvorrat Tavor digitalisieren und ihm zukommen lassen, aber das lässt nicht einmal ein Premium-Account zu.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich irgendwann eine geduldige Seele findet, den Panzer aus Weltschmerz zu knacken. Bis dahin bleibt dem erwachsenen Emo seine linke Hand treu. Die findet er auch ohne Kontakt-Annonce.
Der Super-Duper-Dom
Diesen Menschenschlag gibt es in unterschiedlichen Geschmack(losigkeit)srichtungen – entfernt mit dem Jackpot-Typen verwandt, aber nicht halb so unterhaltsam.
Hat sich dieser Egomane, wie der Titel besagt, dem BDSM verschrieben, so ist die Schlagrichtung seiner Kontaktaufnahme folgende: Er hat die potentielle Unterwürfige anhand ihres Profils auf Herz und Nieren geprüft und sie für würdig befunden, ihm zu dienen und ihm die Füße zu küssen. Sofort, jetzt und in alle Ewigkeit. Reklamationen gibt's nicht, und welche unbedarfte Frau würde eine solche Ehre auch zurückweisen wollen?
Seine softere Ausführung begnügt sich mit einer großspurigen Nachricht zwischen Tür und Angel, dass er die Auserwählte für eines Treffens würdig hält und sie ihn gerne kontaktieren darf – meistens mit gleich beigefügter Handynummer. Natürlich darf nicht der Disclaimer fehlen, dass er längst nicht jede anschreibt und dass dieses Kontaktangebot bereits eine Auszeichnung ist, die auszuschlagen einfach nur dämlich wäre.
Die Profilbilder und weiterführenden Angaben solcher wandelnden Superlative glänzen meist durch ... Abwesenheit. Ihre Großartigkeit müssen sie schließlich nicht unter Beweis stellen, und wenn die Angebetete das ihr zuteil gewordene Glück hinterfragt, dann liegt hier wohl ein Irrtum vor. Wobei, solche Prachtexemplare irren sich bekanntlich ja nie.
Die Einbahnstraße
"Offen und ehrlich", "unkompliziert", "weiß was er will" – gegen solche Prämissen ist erst einmal nichts einzuwenden. Bestimmt auch nicht dagegen, dass der Mann, der sich dahinter verbirgt, mit seiner Auserwählten offen und ehrlich Schweinkram austauschen will, nach unkomplizierten Sexkontakten sucht und genau weiß, welche Bedürfnisse er befriedigt haben will. Beim Verfolgen seiner Ziele nimmt er kein Blatt vor den Mund und ist auch nicht zimperlich, Vorbehalte aus dem Weg zu räumen. Einige Nachrichten mit belanglosem Small-Talk, die bereits mit eindeutigen Andeutungen versetzt sind, decken bei diesem Potenzwunder sowohl Werbephase als auch Vorspiel ab. Wenn nach dieser Ouvertüre noch keine hüllenlosen Offenbarungen seinen Bildschirm zieren, wird er unruhig bis aggressiv.
Ebenso wie beim Copy-Paste-Charmeur ist Widerstand zwecklos. Auch mehr oder weniger bissiger Humor rettet einen nicht vor der Keule, man sei prüde, nicht aufgeschlossen genug oder schlichtweg langweilig, wenn man Mr. Direkt nicht sofort das gibt, was er will. Bevor er die virtuelle Tür zuknallt, lässt er gerne zum Abschied den Vorwurf da, man hätte mit ihm gespielt und unnötige Erwartungen geweckt. Wie denn? Durch das Lesen der Nachricht?
Und weil es so schön ist, und die Welt nicht schwarz weiß, sondern grau skaliert ist, gibt es von diesen Grundtypen (und denen, mit denen ich nicht das Vergnügen hatte oder die ich vergessen habe) diverse Mischformen.
Da ich beileibe keine verbitterte Feministin bin und außerdem eine Schwäche für Symmterie habe, rufe ich nun meine männliche Leserschaft (welche Leserschaft, höhö) auf: Habt ihr ähnliche Stereotypen bei Damen im Online-Dating ausmachen können? Wenn ja, freue ich mich über eure Erfahrungen und weiteres Material.
Zum Glück beginnt und endet meine Online-Dating-Karriere mit Black-Flirt. Dennoch wage ich die Vermutung, dass sich ähnliche Stereotypen, wie unten beschrieben, genauso häufig auf "Normalo"-Plattformen tummeln. Bühne frei für die Binärromeos dieser Welt!
Der Copy-Paste-Charmeur
Um bei diesem Kontaktjongleur noch dem Irrglauben anheim zu fallen, man hätte als Einzige durch herausragende Qualitäten seine Aufmerksamkeit geweckt, müsste man schon eine jungfräuliche Einsiedlerin sein, die zum ersten Mal die Genüsse des Online-Datings für sich entdeckt.
Zeit ist Geld, und wenn man noch so viele hübsche Damen mit Nachrichten zu beglücken hat, bleibt eben keine Zeit, Romane zu schreiben. Deswegen beschränkt sich unser effiziente Herzensbrecher auf Schlüsselsätze wie "Hi, wie geht's dir?", "Ich bin über dein Profil gestolpert" (na hoffentlich ohne bleibende Verletzungen!), "Du bist sehr hübsch" und ähnliche Perlen der Konversation.
Wenn er in die Korrespondenz oberflächliche Bezüge zum Profil der Angebeteten einfließen lässt, die über die Bewunderung ihrer Oberweite hinausgehen, kann man getrost die Hochzeitsglocken läuten.
Diesen Hansdampf in allen Gassen auf mangelnde Kreativität hinzuweisen, bringt nichts. Während man eine empörte Nachricht zu Ende getippt hat, hat er bereits ein weiteres Bundesland mit Fließband-Plattitüden erobert. Keine Angst, eine ausbleibende Antwort bricht ihm nicht das Herz. Es gibt genug Verzweifelte, die sich auch über ein "Was machst du gerade" freuen.
Der Jackpot
Kaum hat man sich von der Verzückung beim Studieren seines Profils erholt und den Sabber von der Tastatur gewischt, stellt sich die Frage: Wie kann so jemand noch Single sein? Gutaussehend, eloquent, wohlhabend, erfolgreich ... Nichts wie her damit, so einen Traumprinzen findet man nur einmal im Leben!
Zumal dieses Ideal von Mann auch beim Gegenüber nicht mit Superlativen geizt. Hat man sich entgegen aller Minderwertigskeitskomplexe an ihn herangewagt, findet man nach raschem Nachrichtenwechsel heraus, genau die Frau zu sein, auf die er sein (alterstechnisch meist fortgeschrittenes) Leben gewartet hat. Das würde sich erst recht bestätigen, wenn die Holde ihm in regelmäßigen Abständen freizügige Bilder zukommen ließe ... aber was tut man nicht alles für die große Liebe.
Als in der Schule romantische Gedichte durchgenommen wurden, hat dieser Marty Stu* als Einziger aufgepasst und weiß daher seiner Angebeteten in gewählter Sprache zu vermitteln, dass sie die Schönste, Anziehendste und Liebenswerteste ist. Damit es nicht zu kitschig wird, fragt der Mann von Welt seine Herzensdame gerne beiläufig um Rat, ob er sich nun einen neuen Mercedes oder einen BMW anschaffen soll. Natürlich erst, nachdem er von seiner Weltreise zurückgekehrt ist. Hach ...
_____________________
* Marty Stu = männliche Version der Mary Sue (Prototyp einer ebenso perfekten wie sterbenslangweiligen Romanfigur)
Der Waldschrat
Was dieser Eigenbrötler auf einer Plattform verloren hat, die dem lockeren Kontakteknüpfen dient, bleibt ein Mysterium. Genau wie seine von undankbaren, beschränkten Zeitgenossen verkannte Persönlichkeit. Nur eine Konstante ist klar erkennbar: Er hasst alles und jeden, hat in seinem Leben nichts als Enttäuschungen erlebt und weiß ganz genau, was er NICHT will. Nämlich dich. Genau dich. Jedem trven Black-Metal-Puristen würde das Corpsepaint verlaufen vor Freudentränen angesichts dieses personfiizerten Ideals.
Hat man sich in einem suizidalen Moment durchgerungen, diesen Misanthropen zu kontaktieren, versteht man nach wenigen Zeilen, woher die scheinbar selbst gewählte Einsamkeit rührt. Selbst auf Gleichgesinnte, die seinen Ansprüchen gerecht werden, reagiert er im schlimmsten Fall mit bitterer Skepsis, im besten Fall (* schluck *) mit Lamentationen über sein unerfreuliches Dasein. Am liebsten würde man einen Jahresvorrat Tavor digitalisieren und ihm zukommen lassen, aber das lässt nicht einmal ein Premium-Account zu.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich irgendwann eine geduldige Seele findet, den Panzer aus Weltschmerz zu knacken. Bis dahin bleibt dem erwachsenen Emo seine linke Hand treu. Die findet er auch ohne Kontakt-Annonce.
Der Super-Duper-Dom
Diesen Menschenschlag gibt es in unterschiedlichen Geschmack(losigkeit)srichtungen – entfernt mit dem Jackpot-Typen verwandt, aber nicht halb so unterhaltsam.
Hat sich dieser Egomane, wie der Titel besagt, dem BDSM verschrieben, so ist die Schlagrichtung seiner Kontaktaufnahme folgende: Er hat die potentielle Unterwürfige anhand ihres Profils auf Herz und Nieren geprüft und sie für würdig befunden, ihm zu dienen und ihm die Füße zu küssen. Sofort, jetzt und in alle Ewigkeit. Reklamationen gibt's nicht, und welche unbedarfte Frau würde eine solche Ehre auch zurückweisen wollen?
Seine softere Ausführung begnügt sich mit einer großspurigen Nachricht zwischen Tür und Angel, dass er die Auserwählte für eines Treffens würdig hält und sie ihn gerne kontaktieren darf – meistens mit gleich beigefügter Handynummer. Natürlich darf nicht der Disclaimer fehlen, dass er längst nicht jede anschreibt und dass dieses Kontaktangebot bereits eine Auszeichnung ist, die auszuschlagen einfach nur dämlich wäre.
Die Profilbilder und weiterführenden Angaben solcher wandelnden Superlative glänzen meist durch ... Abwesenheit. Ihre Großartigkeit müssen sie schließlich nicht unter Beweis stellen, und wenn die Angebetete das ihr zuteil gewordene Glück hinterfragt, dann liegt hier wohl ein Irrtum vor. Wobei, solche Prachtexemplare irren sich bekanntlich ja nie.
Die Einbahnstraße
"Offen und ehrlich", "unkompliziert", "weiß was er will" – gegen solche Prämissen ist erst einmal nichts einzuwenden. Bestimmt auch nicht dagegen, dass der Mann, der sich dahinter verbirgt, mit seiner Auserwählten offen und ehrlich Schweinkram austauschen will, nach unkomplizierten Sexkontakten sucht und genau weiß, welche Bedürfnisse er befriedigt haben will. Beim Verfolgen seiner Ziele nimmt er kein Blatt vor den Mund und ist auch nicht zimperlich, Vorbehalte aus dem Weg zu räumen. Einige Nachrichten mit belanglosem Small-Talk, die bereits mit eindeutigen Andeutungen versetzt sind, decken bei diesem Potenzwunder sowohl Werbephase als auch Vorspiel ab. Wenn nach dieser Ouvertüre noch keine hüllenlosen Offenbarungen seinen Bildschirm zieren, wird er unruhig bis aggressiv.
Ebenso wie beim Copy-Paste-Charmeur ist Widerstand zwecklos. Auch mehr oder weniger bissiger Humor rettet einen nicht vor der Keule, man sei prüde, nicht aufgeschlossen genug oder schlichtweg langweilig, wenn man Mr. Direkt nicht sofort das gibt, was er will. Bevor er die virtuelle Tür zuknallt, lässt er gerne zum Abschied den Vorwurf da, man hätte mit ihm gespielt und unnötige Erwartungen geweckt. Wie denn? Durch das Lesen der Nachricht?
Und weil es so schön ist, und die Welt nicht schwarz weiß, sondern grau skaliert ist, gibt es von diesen Grundtypen (und denen, mit denen ich nicht das Vergnügen hatte oder die ich vergessen habe) diverse Mischformen.
Da ich beileibe keine verbitterte Feministin bin und außerdem eine Schwäche für Symmterie habe, rufe ich nun meine männliche Leserschaft (welche Leserschaft, höhö) auf: Habt ihr ähnliche Stereotypen bei Damen im Online-Dating ausmachen können? Wenn ja, freue ich mich über eure Erfahrungen und weiteres Material.
Freitag, 4. Oktober 2013
Akte Arschloch
"Männer und Fraun sind das nackte Graun,
wenn sie sich stundenlang tief in die Augen schaun,
und die Frauen andren Fraun ihre Männer klaun,
und die Männer sowieso nur Scheiße baun."
Ein Körnchen Wahrheit muss in diesem Ärzte-Lied stecken – warum sonst singen wir immer wieder mit, obwohl es schon mindestens ein halbes Jahr regelmäßig aus dem Autoradio dudelt?
Um der Emanzen-Keule auszuweichen: Nicht alle Männer bauen Scheiße, wohlgemerkt. Nur die spezielle Unterart "Arschloch", deren Population sich dank der evolutionären Vorteile jedoch von Jahr zu Jahr (oder in der subjektiven Sichtweise "lebenserfahrener" Frauen: von Beziehung zu Beziehung) exponentiell steigert.
Aber woraus bestehen diese evolutionären Vorteile, die dazu führen, dass sich die Arschlöcher stets aus Jagdgründen voller williger Frauen bedienen, während ihre weniger anpassungsfähigen Zeitgenossen (auch "nette Kerle" genannt) sich seit Jahren mit einem halbherzigen "Hallo, wie geht's" der heimlich Angebeteten sowie beinahe ebenso unnerreichbaren Pixel-Busenwundern über Wasser halten?
Meine Feldstudien haben einige Lösungsansätze ans Tageslicht gebracht, die so bahnbrechend sind, dass sie bereits von sämtlichen Frauenzeitschriften (dazu zähle ich auch "Men's Health") durchgekaut wurden.
Und dennoch lernen wir nichts dazu – so leicht lassen sich die perfiden Mechanismen der weiblichen Psyche nicht umprogrammieren. Die da wären:
Eine solche Liebe ist prädestiniert dafür, ewig zu halten. Umso härter fällt die edle Retterin aus allen Wolken, wenn der vermeintlich unbewaffnete Schützling aus den Untiefen des Rosenrkriegs-Arsenals den Hammer hervorholt: "Wir haben uns auseinandergelebt."
Wobei, auch hier beweist der Liebste nichts als grenzenlose Feinfühligkeit. Die Dame, deren Rettungsversuche für sein Nervenkostüm nicht mehr tragbar waren, verschont er mit den wahren Gründen der Trennung. Diese spart er sich für Freunde (ja, genau die, die ihn immer hängen lassen), vielversprechende weibliche Bekanntschaften und Mutti auf. Ihnen offenbart er kummervoll die harte Realität: Unter der schilldernden Paladinsrüstung seiner Liebsten hat sich mit der Zeit ein eifersüchtiges, klammerndes, unreifes Herz offenbart – genauso schwarz und verdorben wie die Pumporgane ihrer Vorgängerinnen. Sie war doch nicht die Eine. Aber wer so oft verletzt wurde, verträgt gerade noch so auch diese Enttäuschung. Klappe, die nächste!
wenn sie sich stundenlang tief in die Augen schaun,
und die Frauen andren Fraun ihre Männer klaun,
und die Männer sowieso nur Scheiße baun."
Ein Körnchen Wahrheit muss in diesem Ärzte-Lied stecken – warum sonst singen wir immer wieder mit, obwohl es schon mindestens ein halbes Jahr regelmäßig aus dem Autoradio dudelt?
Um der Emanzen-Keule auszuweichen: Nicht alle Männer bauen Scheiße, wohlgemerkt. Nur die spezielle Unterart "Arschloch", deren Population sich dank der evolutionären Vorteile jedoch von Jahr zu Jahr (oder in der subjektiven Sichtweise "lebenserfahrener" Frauen: von Beziehung zu Beziehung) exponentiell steigert.
Aber woraus bestehen diese evolutionären Vorteile, die dazu führen, dass sich die Arschlöcher stets aus Jagdgründen voller williger Frauen bedienen, während ihre weniger anpassungsfähigen Zeitgenossen (auch "nette Kerle" genannt) sich seit Jahren mit einem halbherzigen "Hallo, wie geht's" der heimlich Angebeteten sowie beinahe ebenso unnerreichbaren Pixel-Busenwundern über Wasser halten?
Meine Feldstudien haben einige Lösungsansätze ans Tageslicht gebracht, die so bahnbrechend sind, dass sie bereits von sämtlichen Frauenzeitschriften (dazu zähle ich auch "Men's Health") durchgekaut wurden.
Und dennoch lernen wir nichts dazu – so leicht lassen sich die perfiden Mechanismen der weiblichen Psyche nicht umprogrammieren. Die da wären:
- Frauen sind das wahre starke Geschlecht.
Man kann es Mutterinstinkt nennen oder das Engel-Phänomen (einen Autopsiebericht desselbigen lest ihr hier), Tatsache ist: der weibliche Beschützertrieb gleicht einem Filter, der nur die kaputten, verletzten oder in irgendeiner Form "unfertigen" potentiellen Geschlechtspartner ins Sichtfeld oder gar ins Herz der beziehungswilligen Frauen diffundieren lässt.
Anders als Raubtiere, die dank desselben Radarsystems Beutetiere ausfindig machen, tun Frauen dies mit einem hehren Ziel: den Angebeteten aufpäppeln, beschützen, retten und ihm wieder einen Glanz in die gequälten Augen zaubern (letzteres gelingt am besten postkoital). Sei es durch nächtliche Seelenschmerz-Telefonate, Geldspritzen oder etwaige Liebesdienste: Der arme Auserwählte wird augenblicklich in einen Kokon aus Verständnis, Zuneigung und Selbstaufopferung gehüllt, denn...
- Arschlöcher sind vom Leben gezeichnet und müssen gerettet werden!
Weder diesen starken Frauen noch ihren Arschloch-Auserwählten scheint die Binsenweisheit "Karma is a bitch" ein Begriff zu sein. Nein, eine gescheiterte Existenz ist das Arschloch natürlich nicht aus Eigenverschulden, sondern, weil ihm das Leben chronisch übel mirgespielt hat.
Wenn der Angebetete mit Ende zwanzig noch bei Mutti logiert, liegt es daran, dass sie ihn schlimmer tyrannisiert als Kim-Jong das gangnamstyle-freie Nordkorea. Wenn er keinerlei Karriere vorzuweisen hat außer unqualifizierten Gelegenheitsjobs, dafür aber eine Latte an gescheiterten Beziehungen, gegen welche die Chinesische Mauer aussieht wie Nachbars Gartenzaun, ist dies nur ein trauriger Beweis für die Ungerechtigkeit der Menschen.
Seine Exfreundinnen? Allesamt eifersüchtige Psychopathinnen und promiskuitive Lügnerinnen, die die Gutherzigkeit des Armen ausgenutzt und ihn dann verlassen haben, als es nichts mehr zu holen gab. In seltenen Fällen hatte der gepeinigte Traummann schweren Herzens selbst einen Schlusstrich gezogen, weil er diesen Hexensabbat auf seinem Nervenkostüm nicht mehr ertragen konnte.
Analog wussten die ehemaligen Chefs – falls vorhanden – das Engagement des unqualifizierten Hotel-Mama-Bewohners einfach nicht zu schätzen. Und falls dem Arschloch wenigstens die traumatisierende Begegnung mit der Berufswelt erspart geblieben war, dann natürlich nicht wegen mangelnder Bildung oder Arbeitsmoral, sondern weil ihn entweder die lädierte Psyche (siehe oben) oder ein seltenes körperliches Gebrechen davon abhielten. So bekommt das Arschloch beispielsweise alleine beim Gedanken an Arbeit Depressionen oder unerklärliche Migräneanfälle, alsbald krümmt sich sein ohnehin gramgebeugter Rücken vor Schmerzen, die jede körperliche Tätigkeit unmöglich machen.
Was bleibt da der neuen Flamme übrig, als sich in eine glänzende Paladinsrüstung zu werfen (mit vorteilhaftem Dekoltee, natürlich), sich auf ein weißes Ross zu schwingen, dem geschwächten Gefährten aufsitzen zu helfen und mit ihm in eine bessere Zukunft zu galoppieren? Hand auf's Herz -
- Jede Frau will die Eine sein.
Und das geht natürlich nur, wenn sich die Herzensdame immer und überall als Ausnahme von der Regel stilisiert und ihrem Geliebten zeigt, dass es noch Menschen gibt, die es gut mit ihm meinen. Indem sie dem Arschloch dann aufhilft, wenn die boshaften Mitmenschen ihn fallen lassen würden. Sich wund arbeitet, wo andere Hilfe verweigern würden. Und erduldet, erduldet, erduldet.
Seitensprünge werden verziehen, Ausraster und schizophrene Schübe Wunden leckend weggelächelt, blanke Ignoranz toleriert – das sind doch alles nur Symptome einer gequälten Seele und Versuche, die Liebste auf Distanz zu halten. Verständlich, ist das Arschloch doch gewöhnt, von nahe stehenden Menschen verletzt zu werden.
Aber auf diese Abwehrmechanismen fallen wir nicht rein, nein, wir besiegen das System und halten tapfer alle Krisen durch, bis Mr. Right endlich geheilt ist und die emotionalen Investitionen Rendite bringen. Schließlich will sich keine Frau in die Riege der diabolischen Exfreundinnen einreihen, die diesen Jackpot vom Mann mangels Anstand und Geduld fallen ließen. Wenn nicht wir den Prinzen retten, wer dann? Dann ist sein Weltbild für immer zerstört und der Ärmste ist verloren. Also nix mit "the one that got away" – "the one that settled" ist das Credo starker Frauen!
- Arschlöcher sind nur Traummänner, die sich nie ausleben durften.
Natürlich ist keine Frau so naiv, rein aus Mitleid mit einem hoffnungslosen Fall zusammenzukommen oder, Gott bewahre, zusammenzubleiben. Wir stehen den Kampf um die Seele des Liebsten durch und trotzen den Drachen seiner Psyche, weil wir uns das flammende Banner seiner Tugenden vor Augen halten.
Wer, wenn nicht er, würde uns solch romantische Gedichte schreiben, denen schiefe Reime und metrische Stolpersteine erst die Würze und Authenzität verleihen? Wer sonst würde mit seiner Spontaneität und seinem tiefen Wissen um unsere Wünsche sogar einem Geschenk aus dem Ein-Euro-Laden mit emotionaler Bedeutung aufwerten?
Obendrein trägt unser Plan, die Eine zu sein, erste Früchte – mit seinen gewissenlosen Verflossenen hat der Liebste garantiert nicht so intensiv übers Heiraten und Kinderkriegen gesprochen wie mit uns. Genauso wenig, wie er vor diesen Harpyen sein Herz so ausschütten konnte. Seine empfindsame Seele spürt nun mal, wer es wirklich ernst mit ihm meint, und genauso ernst meint er es mit uns. Wir müssen uns nur in Geduld üben; solch große Zukunftspläne brauchen Zeit, sich zu entfalten. Immerhin spart Mr. Right schon auf einen Verlobungsring, den er uns mit einer groß angelegten romantischen Geste überreichen wird. Irgendwann.
Bis dahin wärmen wir uns an immateriellen Werten, an Sätzen, die seine Liebe und seine Einzigartigkeit besiegeln: "Ich bin immer ehrlich zu dir", "Du bist etwas ganz Besonderes", "Ich bleibe dir immer treu", und ... das ultimative Sesam-Öffne-Dich für Herzen (und Bhs): "Ich war noch mit keiner Frau so glücklich wie mit dir".
Eine solche Liebe ist prädestiniert dafür, ewig zu halten. Umso härter fällt die edle Retterin aus allen Wolken, wenn der vermeintlich unbewaffnete Schützling aus den Untiefen des Rosenrkriegs-Arsenals den Hammer hervorholt: "Wir haben uns auseinandergelebt."
Wobei, auch hier beweist der Liebste nichts als grenzenlose Feinfühligkeit. Die Dame, deren Rettungsversuche für sein Nervenkostüm nicht mehr tragbar waren, verschont er mit den wahren Gründen der Trennung. Diese spart er sich für Freunde (ja, genau die, die ihn immer hängen lassen), vielversprechende weibliche Bekanntschaften und Mutti auf. Ihnen offenbart er kummervoll die harte Realität: Unter der schilldernden Paladinsrüstung seiner Liebsten hat sich mit der Zeit ein eifersüchtiges, klammerndes, unreifes Herz offenbart – genauso schwarz und verdorben wie die Pumporgane ihrer Vorgängerinnen. Sie war doch nicht die Eine. Aber wer so oft verletzt wurde, verträgt gerade noch so auch diese Enttäuschung. Klappe, die nächste!
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